Eine wütende Frau.

Das erwünschte Frauenbild: Muss ich das alles sein?

„Der Druck auf Frauen wurde im Laufe der Zeit immer größer. Seit den 1980er-Jahren können immer stärker werdende und sich verändernde Schönheits- und Körperideale an Frauen beobachtet werden", sagt Karin Macke.

"So war die Frauenmode der 1980er noch stark von der individuellen Freiheit geprägt. Dies konnte man unter anderem daran erkennen, dass es gesellschaftlich akzeptiert wurde, wenn Frau keinen BH oder Körperbehaarung trägt. Heute gibt es wesentlich mehr Schemata denen eine Frau entsprechen soll“, so Karin Macke.

Gesellschaftliche Normen würden heutzutage ein Bild zeichnen, dem nur schwer nachzukommen sei: Körperoptimiert sollen Frauen allemal sein, Familie und Beruf sollen sie meistern, die Beziehung liebevoll führen – und das ist lange nicht alles. „Frauen sind noch dazu so erzogen, dass sie permanente Schuldgefühle plagen, wenn sie nicht allen diesen Idealen entsprechen. Außerdem sind sie ständig um das Wohl der anderen bemüht und kümmern sich zu wenig um sich selbst“, sagt Karin Macke.

Darüber hinaus würde Social Media, wie zum Beispiel Instagram, würde vor allem bei jungen Frauen, zusätzlich Einfluss nehmen. „Jede Frau kämpft für sich allein – ein erster Schritt ist, sich auszutauschen, sich zusammenzusetzen und damit zu sehen, dass es anderen ähnlich geht“, empfiehlt die Expertin. Daher werden bei Frauen beraten Frauen auch laufend Kurse und Gesprächskreise angeboten.

Aufklärung hält Macke ebenfalls für enorm wichtig: „Man sollte sich bewusst machen, dass in unserem neoliberalen Wirtschaftssystem gewisse Bilder aufrecht erhalten werden, um gewisse Produkte gut verkaufen zu können.“ Also etwa das Idealbild des haarfreien Körpers, um Rasierapparate an die Frau zu bringen.

In einem weiteren Schritt wäre es notwendig, eigene Wünsche und Bedürfnisse in den Fokus zu setzen: Was ist für mich persönlich schön? Wie liebe ich mich selbst, was mag ich an mir? „Frauen müssen lernen, dem, was andere sagen, weniger Glauben zu schenken und sich mehr Selbstliebe zu geben.“ Man würde auch wertgeschätzt werden, wenn man ganz man selbst ist, es sich selbst recht macht und nicht den anderen.

Wenn Sie zu diesen Themen Gesprächsbedarf haben, wenden Sie sich gerne kostenfrei an eine der österreichischen Familienberatungsstellen.

Unsere Interviewpartnerin

Karin Macke ist Psychotherapeutin, Coach und Beraterin bei Frauen*beraten Frauen* in Wien.

Frauen*beraten Frauen*
Seitenstettengasse 5/7
1010 Wien
frauenberatenfrauen.at/

Das Interview wurde im Mai 2022 geführt. 

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