Gefühlsvielfalt in der Schwangerschaft: Ein natürlicher Teil des Prozesses
Christine Loidl, Psychologin, Sozialarbeiterin, Psychotherapeutin und Bindungsanalytikerin, beschäftigt sich intensiv mit den Gefühlen, die viele Frauen während dieser Zeit empfinden. „Ambivalenz ist ein ganz normaler Bestandteil der Schwangerschaft und kann in verschiedenen Stadien auftreten“, erklärt sie.
In vielen Fällen beginnt die Ambivalenz bereits vor der Schwangerschaft, insbesondere bei Frauen, die den Kinderwunsch in ein höheres Lebensalter verschieben. „Es fällt vielen schwer, sich für oder gegen ein Kind zu entscheiden. Das führt oft zu gemischten Gefühlen, die sich während der Schwangerschaft verstärken“, so Loidl. Selbst Frauen, die sich lange ein Kind gewünscht haben, können gemischte Gefühle erleben, sobald die Schwangerschaft tatsächlich eintritt.
Der Prozess des Annehmens und des körperlichen Wandels kann für viele Frauen herausfordernd sein. „Wenn die Realität eintritt, dass da jemand in mir ist, wird es fix. Dieser körperliche Prozess bringt unterschiedliche Gefühle mit sich, die oft nicht ausreichend thematisiert werden“, sagt die Expertin.
Die Umstellung, die mit einer Schwangerschaft einhergeht, sollte nicht verklärt werden. „Es ist wichtig, ehrlich zu sein und die zwangsläufigen Abhängigkeiten und Herausforderungen nicht zu ignorieren“, betont sie. Frauen müssen sich mit Fragen auseinandersetzen wie: „Passt das in mein selbstbestimmtes Leben? Schaffe ich das beruflich?“ Auch die körperlichen Belastungen sind nicht zu vernachlässigen. Oft sind die Sorgen um die Gesundheit des Kindes und die Partnerschaft groß.
Loidl stellt fest, dass viele Ängste bei der ersten Schwangerschaft stärker ausgeprägt sind. „Die Verläufe sind unterschiedlich, und eine begleitende Unterstützung ist extrem wichtig“, sagt sie. Der offene Austausch mit Freundinnen und der Familie kann dazu beitragen, dass Frauen sich weniger allein fühlen und ehrliche Gespräche führen können.
Ein besonders heikles Thema ist die ungewollte Schwangerschaft. „Hier erleben Frauen eine sehr starke Ambivalenz, sie überlegen, ob sie abtreiben oder das Kind behalten wollen“, erklärt Loidl. In der Beratungsstelle werden ergebnisoffene Gespräche angeboten, um Frauen bei dieser schweren Entscheidung zu unterstützen. „Es gibt keine richtige oder falsche Entscheidung, wichtig ist, dass die Frauen mit ihrer Wahl leben können“, fügt sie hinzu.
„Es ist wichtig, offen und tabulos über die eigenen Gefühle zu sprechen. Jede Frau hat ihre eigene Geschichte und ihre eigenen Gründe, die sie während der Schwangerschaft beschäftigen“, betont Loidl.
Abschließend stellt Loidl fest: „Die Gefühlsvielfalt in der Schwangerschaft ist normal. Sie gehört zum Prozess dazu und ist Teil der emotionalen Reise, die Frauen erleben. Es ist entscheidend, sich selbst die Erlaubnis zu geben, diese Gefühle zu haben und Unterstützung zu suchen.“
„Es ist wichtig, offen und tabulos über die eigenen Gefühle zu sprechen. Jede Frau hat ihre eigene Geschichte und ihre eigenen Gründe, die sie während der Schwangerschaft beschäftigen“, betont Loidl. Abschließend stellt Loidl fest: „Die Gefühlsvielfalt in der Schwangerschaft ist normal. Sie gehört zum Prozess dazu und ist Teil der emotionalen Reise, die Frauen erleben. Es ist entscheidend, sich selbst die Erlaubnis zu geben, diese Gefühle zu haben und Unterstützung zu suchen.“
Für weitere Fragen oder Unterstützung wenden Sie sich an eine der österreichweiten Familienberatungsstellen und melden Sie sich zu einem kostenfreien Termin an.
Unsere Interviewpartnerin
Mag.a Christine Loidl, MSc, DSA
Schwangerenberatung
Psychologin, Psychotherapeutin, Dipl. Sozialarbeiterin, Bindungsanalytikerin nach Hidas und Raffai
aktion leben Österreich
Diefenbachgasse 5/5
1150 Wien
Webseite von aktion leben Österreich
Das Interview wurde im März 2025 durchgeführt.