Wie lege ich Erziehung richtig an?
„Befasst man sich mit mehreren Erziehungsansätzen hat das den Vorteil, dass man verschiedene Grundhaltungen und ein breiteres Spektrum an Lösungsmöglichkeiten kennenlernt. Natürlich müssen sich (werdende) Eltern aber klar sein, dass Erziehungsratgeber oft sehr allgemein gehalten sind, dass sie keine „Bibeln“ sind“, weiß Ulla Pongratz-Elsnig. „Außerdem schwingen die Haltungen der jeweiligen Autorinnen und Autoren mit,“ ergänzt Sandra Recek. Um Klarheit zu erlangen, solle man sich deshalb mit seinen eigenen Wertevorstellungen beschäftigen und sich fragen: „Was möchte ich meinem Kind wirklich mit auf den Weg geben?“
In den ersten Wochen nach der Geburt geht es laut der Beraterinnen primär um den Aufbau einer sicheren Bindung und Beziehung zwischen Eltern und Kind, mit gegenseitiger Nähe und Vertrauen. Pongratz-Elsnig: „Es gibt viele Wege dies zu erreichen, die meist intuitiv von Eltern angewandt werden: Etwa Körperkontakt, oder Mimik und Gestik der Eltern in der Interaktion mit ihrem Baby.“
In der zweiten Hälfte des ersten Lebensjahres könne man beginnen, mit liebevoller Klarheit die ersten Grenzen gesetzt werden zu setzen. „Hier ist zu beachten, dass jedes Kind anders ist! Eltern sollten hier vor allem ihrem dem eigenenBauchgefühl und ihrer Intuition vertrauen. Kinder lernen in der ersten Lebenszeit auch vor allem von ihren engsten Bezugspersonen – Vorbild Ssein ist ein wesentlicher Faktor der Entwicklung und Erziehung“, so Sandra Recek.
Wenn mit der Zeit mehr Grenzen gesetzt werden, solle man darauf achten geachtet werden, dem Kind genügend Freiräume zu lassen, sodass es seinen Entdeckerdrang ausleben kann, Erfahrungen macht und dadurch Neues lernt.
Erziehung hänge auch davon ab, welche Erfahrungen man selbst gemacht wurden hat. Das beeinflusst die eigenen Wertvorstellungen und damit das Erziehungsverhalten – somit könne es auch passieren, dass ein Paar unterschiedliche Vorstellung hat. „Idealerweise sollten sich beide Elternteile gut miteinander abstimmen und laufend absprechen. Falls es unterschiedliche Sichtweisen, Vorstellungen oder gar Konflikte in puncto Kindererziehung gibt, sollten diese eher nicht vor den Kindern ausgetragen werden.“, so die Expertinnen.
Bei konkreten Fragen empfiehlt es sich, eine individuelle Beratung in einer der österreichischen Familienberatungsstellen in Anspruch zu nehmen. Die Termine sind kostenfrei.
Unser Interviewpartnerinnen
Mag.a Ulla Pongratz-Elsnig ist Juristin, Lebens- und Sozialberaterin i.A.u.S. und diplomierte Berufs- und Sozialpädagogin. Sandra Recek, BSc ist Psychologin und für den Erstkontakt im Beratungszentrum, sowie die Koordination der Elternbildung zuständig.
Caritas der Diözese Graz-Seckau
Grabenstraße 39
8010 Graz
Website der Caritas Graz-Seckau
Das Interview wurde im Oktober 2025 durchgeführt.