Ein junges Mädchen zeigt ihrer Mutter die Handfläche in einer trotzigen Geste.

Wieviel kann man mit Erziehung ausrichten?

Wer Kinder hat, stellt sich früher oder später die Frage, was Erziehung bedeutet. Zur Beantwortung dieser Frage gibt es jede Menge Erziehungsratgeber, die theoretisch und praktisch den pädagogischen Strömungen und Trends folgen. „Das Übermaß an Angebot verunsichert und verwirrt Eltern mehr, als es sie unterstützt“, erzählt Uschi Novak aus ihrer Beratungspraxis. Sie ist dipl. Ehe-, Familien- und Lebensberaterin im Beratungsdienst des Instituts für Ehe und Familie (IEF) und auch in freier Praxis tätig und weiß: „Eltern sollten wieder lernen, in sich hineinzuhorchen und auf die eigene erzieherische Kompetenz zu vertrauen. Sie haben ein Gespür für ihre Kinder und könnten auch in Ausnahmesituationen ruhig intuitiv und nach Bauchgefühl erziehen.“

„Erziehung ist Beziehung“, erklärt die Beraterin als oberste Prämisse. „Dies als Eltern zu erkennen ist wichtig, denn alles steht und fällt mit den Eltern und ihrem Übernehmen von Verantwortung in dieser Beziehung.“

Kinder von früh bis spät in pädagogische Einrichtungen zu geben hält Uschi Novak für wenig sinnvoll: „Viele Eltern verlassen sich darauf, dass dort die Erziehung geleistet wird. Das ist aber ein Irrglaube. Meist betreut nur eine Bezugsperson mehrere Kinder, das ist sehr wenig. Besser wäre es, die Großeltern einzubeziehen und eigene zeitliche Ressourcen zu finden, um ein qualitatives Zusammensein zu ermöglichen. Die Qualität der Zeit ist ein wichtiger Faktor“, so die Expertin.

Die österreichischen Familienberatungsstellen mit Schwerpunkt Erziehungsberatung leisten Unterstützung in allen Erziehungsfragen und geben Eltern praktische Tipps. Uschi Novak selbst rät Eltern zur „neuen Autorität“: „Nach autoritär und anti-autoritär ist nun die ‚wachsame Sorge' das Erziehungsmodell unserer Zeit. Präsent und aufmerksam zu sein und nicht ‚im Vorbeigehen’ zu erziehen steht hier im Vordergrund. Es werden liebevoll aber beharrlich Grenzen gesetzt und diese begründet. Fehler sind erlaubt um daraus zu lernen und es zukünftig besser zu machen“, weiß die Beraterin. Sie legt Eltern das Formulieren von Ich-Botschaften nahe: „Ich möchte, dass du aufhörst zu naschen“, „mir ist wichtig, dass der Fernseher abgedreht wird“ oder „wir setzen uns nun gemeinsam zur Hausübung“. Sobald Kinder sozial vernetzt werden, verstehen sie diese Aufforderungen.

Verantwortung lernen Kinder mit dem selbstständigen Übernehmen kleiner Aufgaben, wie Schultasche packen oder Zähneputzen, wobei Bestärkung und Vertrauen hier bedeutsam sind: „Ich vertraue darauf, dass du das schaffst“. Ältere Kinder kann man bereits fragen: „Was könntest du beitragen?“. In jedem Alter ist es zudem wichtig, erwünschtes Verhalten zu loben. Direktes Ansprechen vermittelt wiederum Präsenz: „Das hast du gut gemacht!“. Zu guter Letzt empfiehlt die Expertin die Familienkonferenz: Hier haben alle Familienmitglieder die Möglichkeit, ihre Bedürfnisse, Wünsche, Anregungen und Beschwerden unter 100%iger Aufmerksamkeit (die besonders bei Jugendlichen sehr wichtig ist) zu artikulieren.