Junges Paar: Mann umarmt Frau und drückt ihr einen Kuss auf den Kopf.

Wie viele Kompromisse sind in einer Beziehung gesund?

Was ist der Grundstein für eine funktionierende Partnerschaft? Was kann man tun, wenn man an einem Punkt angelangt ist, bei dem man alleine nicht mehr weiterkommt und sich selbst vor lauter Kompromissen nicht mehr wiedererkennt?

Hermann Horngacher von der Ehe- und Familienberatungsstelle Klartext in Kufstein und Schwaz ist sicher, dass nur zwei Menschen, die sich selbst lieben und mit sich selbst im Reinen sind, bereit und auch dazu fähig sind, eine reife Beziehung auf der Erwachsenen-Ebene zu führen. Spätestens nach der Phase der Verliebtheit ist es dabei wichtig, die rosarote Brille abzunehmen und zu versuchen, ein realistisches und klares Bild von den eigenen Erwartungen und denen des Partners zu bekommen – so kann laut Horngacher ein guter Start in ein gemeinsames Leben beginnen.  Auf sein eigenes Inneres zu hören, ohne den Bezug zum anderen aus den Augen zu verlieren, ist dabei der Kern der Sache. 

Wenn man weiß, was einem selbst wichtig ist und gut tut, kann man im Verlauf der Beziehung auch besser einschätzen, welche Kompromisse man eingehen kann, ohne sich selbst untreu zu werden. Dazu Horngacher: „Kompromisse aber müssen ´offen´ und dürfen nicht ´faul´ sein.  Sie klar zu formulieren ist das A. und O. Denn sonst ist dem einen Partner das Opfer des anderen gar nicht bewusst.“ 

Hat man jahrelang geschluckt und wenig über persönliche Bedürfnisse reflektiert und gesprochen, kann es zum weit verbreiteten, aber völlig nutzlosen Vorwurfs-Pingpong kommen. Experten raten in diesem Fall, sich Hilfe von einem außenstehenden Dritten zu holen. Alleine kommt man trotz guten Willens in der Regel nicht heraus. Horngacher dazu: „Eine neutrale Position ist extrem wichtig, um sich nicht in gegenseitigen Schuldzuweisungen zu verlieren.“ 

Falls ein Partner nicht bereit ist, sich Hilfe von außen zu holen, sollte man alleine einen Anfang machen. Dabei dürfe man nicht vergessen, eine ernsthafte Einladung an den anderen auszusprechen, aber den Partner keinesfalls dazu zwingen. Wenn man allerdings alleine eine Eheberatung in Anspruch nimmt, kann es passieren, dass man seinen Partner ´überholt´. „Wenn man spürt, dass dies Realität zu werden beginnt, sollte man die Karten offen auf den Tisch legen. Dadurch kann zwar ein enormer Druck entstehen, aber der kann auch zum Erwachen und Einlenken des Partners beitragen“, so Horngacher. Und weiter: „Wenn Paare sich gemeinsam für eine tiefer gehende Beratung entscheiden, gehen sie meist gestärkt und in neuer Verbundenheit daraus hervor. Oder – wenn es schon zu spät war – sie finden im eigenen und vor allem im Interesse der Kinder wenigstens einen friedlichen Weg auseinander“

Die Information, an welche Beratungsstellen Sie sich zum Thema Paartherapie wenden können, entnehmen Sie bitte unserer Website.