Flüchlingskrise

Wie stark werden Familie und Umfeld von der Flüchtlingskrise beeinflusst?

Mit anderen Kulturen vorurteilsfrei umzugehen stellt viele Menschen vor eine große Herausforderung. Die diffuse Angst vor Fremden gepaart mit der Sorge um die eigene Existenz macht es nicht einfach, offen auf Neues zuzugehen. 

„Manche Familien sehen andere Kulturen als Ressourcen und nehmen Flüchtlingsfamilien oder -kinder auf, für andere sind sie eine Bedrohung. Einige Familien fragen sich, ob sich das Schulniveau negativ verändert, wenn ausländische Kinder in die Klassen kommen“, erklärt Kerin Piereder, diplomierte Lebens- und Sozialberaterin beim Kompetenz- und Integrationszentrum Ladybird. Hat dann womöglich das eigene Kind einen ausländischen Freund oder Freundin, sind Konflikte oft vorprogrammiert. In manchen Fällen werden sogar Tochter oder Sohn des Hauses verwiesen. 

Hilfreich ist, aktiv Informationen einholen. Nachrichten zu hinterfragen, Hören-Sagen nicht immer zu glauben, an Veranstaltungen teilzunehmen, Flüchtlinge zu besuchen. Generell sollte man offen sein – so fällt es leichter, vor Familie, Freunden und Bekannten zu argumentieren und wertschätzend mit seinem Umfeld umzugehen. 

Zu erfahren, wo kulturelle Unterschiede im Alltag liegen, erleichtert ein Miteinander. Warum geben Männer Frauen nicht die Hand bei der Begrüßung. Wird bei Besuchern Tee oder Wasser serviert? Schuhe anlassen oder ausziehen beim Betreten eines fremden Hauses? „Integration braucht Zeit, es ist ein gemeinsames Lernen, das wird mehrere Generationen dauern“, so die Expertin. 

Oft ist es schwer, neutral die eigene Meinung äußern zu können. Dazu Piereder: „Im Moment fehlt die Toleranz für das Mittelmaß, Graubereich gibt es keinen – nur schwarz oder weiß. Dabei ist es wichtig, in einem demokratischen Land seine Meinung frei äußern zu können. Auch das sind mitunter Gründe, warum Migranten nach Europa kommen.“ 

Besonders auf sozialen Netzwerken werden Meinungen aller Art gepostet. „Hier werden sachliche Argumente besonders oft verdreht, der Schutz der Anonymität macht stark.“ Nur wer seinen Mitmenschen mit Verständnis und Toleranz begegnet, trägt zu einem friedlichen Miteinander bei und kann dadurch Offenheit für Fremdes erreichen. 

Hilfe zu diesem Thema findet man kostenfrei in allen Beratungsstellen Österreichs.