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Wie man den Streit ums Erbe vermeiden kann

Erbstreitigkeiten gibt es seit jeher – viele Familiengeschichten zeugen davon, Romane und Filme drehen sich darum. „Wenn um das Erbe gestritten wird, handelt es sich dabei meist nur oberflächlich um Materielles“, weiß Berta Frisch, Ehe-, Familien- und Lebensberaterin beim IFP, Institut für Familienberatung und Psychotherapie in Bad Radkersburgaus ihren Beratungen. „Sie sind häufig die Folge verdeckter Konflikte, die oft weit in die Familiengeschichte zurückreichen. Meistens geht es um tiefere Bedürfnisse und Werte, die verletzt wurden.“

Ein typisches Beispiel wäre:

Ein Bruder kommt in die Beratung. Nach dem Tod der Mutter wurde die Schwester Alleinerbin des großen Elternhauses im Grünen. Er bekam nur den Pflichtteil.

Es war für ihn ein Schock und sehr schmerzlich, da er mit gleichen Anteilen unter den beiden Geschwistern gerechnet hatte.

Frisch: „Das Verletzende für den Betroffenen war, dass er schon aus der Kindheit die Bevorzugung der Schwester und ihren höheren Stellenwert erfahren hatte.“

Oftmals handelt es sich um das folgende Problem: Im Großteil aller Erbfälle fehlen Nachfolgeplanungen zum Wohle aller. Die ältere Generation hat oft andere Vorstellungen von der Weitergabe des Besitzes als die Erbberechtigten. Beim Vererben müsse einem bewusst sein: Ich hinterlasse auch einen Teil von mir selbst. Ich muss mich also fragen, was ich hinterlassen möchte, Streit oder Frieden?

Daher empfiehlt die Beraterin: „Erarbeiten Sie als Erblasser klug und umsichtig bereits frühzeitig eine Nachlassplanung, mit der alle leben können. Denn Erbstreitigkeiten führen zu Beziehungsabbrüchen und setzen sich meist in der nächsten und übernächsten Generation fort, oft so lange, bis ein entsprechender Ausgleich stattfindet.“

Was will ich? Was wollen wir? Wie können wir das erreichen? Fragen wie diesen sollten Erblasserinnen und Erblasser aber auch Erbinnen und Erben genügend Zeit und Aufmerksamkeit widmen. 

Gemeinsame Gespräche, in denen jeder und jede offen und ehrlich die eigenen Ängste, Wünsche und Hoffnungen einbringen kann, hätten die besten Aussichten auf Erfolg. 

Wenn es innerhalb der Familie zu keinen zufriedenstellenden Lösungen kommt, kann eine Mediation helfen. „Gespräche gelingen nur dann, wenn sich alle mit Respekt begegnen“, so Frisch.

Sollten Sie Hilfe bei aktuellen Erbstreitigkeiten oder bei der Gestaltung Ihres Nachlasses benötigen, empfiehlt es sich, bei einer der österreichischen Familienberatungsstellen einen kostenfreien Termin zu vereinbaren.