Große Familie mit Hund

Wie lerne ich meine Patchwork-Kinder am besten kennen?

Zwischen Stiefeltern und Stiefkindern besteht eine Art zwingender Abhängigkeit – man sollte irgendwie miteinander können, auch wenn man einander nicht von vornherein sympathisch findet. Dr. Karl Leibetseder, klinischer Psychologe, Gesundheitspsychologe und Vereinsvorstand der Gesellschaft für Persönlichkeits- und Berufsbildung empfiehlt, den Ablauf des Kennenlernens in drei Phasen zu betrachten und diese gut einzufädeln. Die Bekanntwerdungs-, die Umgangs- und die Vertrautheitsphase: „Wenn man diese Entwicklungsstadien bedenkt und beachtet, fällt es leichter, in eine gute Beziehung zueinander zu kommen.“

In der ersten Beschnupperungs-Phase ginge es vor allem darum, einander wohlwollend zu begegnen und Erwartungen zurückzuschrauben. „Man kann von sich erzählen, Grundhaltungen vorsichtig preisgeben, aber dabei keinesfalls in einen Wettbewerb verfallen. Man sollte hier zwar authentisch sein, aber noch keine Wünsche und Forderungen äußern.“ Wanderungen oder gemeinsam Essen gehen würden sich als Rahmen dafür gut eignen.

Nach etwa 20 Kontakten sollte die Beziehung in die Umgangsphase übergehen. „Hier darf man durchaus schon widersprechen, man kann den Kindern und Jugendlichen eigene Erfahrungen besser zumuten und es gilt auch herauszufinden, was dem oder der anderen jeweils wichtig ist“, so der Experte. Wichtig sei es, Regeln abzustimmen, zu entwickeln, gegebenenfalls nachzujustieren und Grundwertehaltungen zu diskutieren. „Bedenken Sie immer, dass Sie Werte haben, diese aber nicht immer mit anderen übereinstimmen müssen. Es gibt keine absolute Sicht – bleiben Sie spielerisch und humorvoll. Es geht um eine gemeinsame Suche nach einem schönen Miteinander.“

Diese Phase könne von einem bis zu fünf Jahre dauern und geht dann in die Vertrautheitsphase über. Diese würde bereits Erfahrung im Umgang benötigen. Hier verstellt man sich nicht mehr und Regelwerke müssen möglicherweise auch durch die Altersentwicklung neu verhandelt werden. Wichtig sei hier, nicht den Fehler zu machen, ein Freund oder eine Freundin sein zu können: „Eltern sind nie Freund/innen – ein freundschaftlicher Umgang mit ihren Kindern wäre schön – aber sie sind und bleiben die Erziehungsberechtigten.“

Wenn Sie über den Umgang mit Ihren Patchwork-Kindern mit einem Profi sprechen wollen, empfiehlt sich die Kontaktaufnahme mit einer österreichischen Familienberatungsstelle. Hier können Sie einen kostenfreien Beratungstermin vereinbaren.