Junge Frau winkt aus einem Auto zurück

Wie lasse ich bloß meine Kinder los?

Irgendwann ist der Zeitpunkt gekommen, zu dem der Nachwuchs das elterliche Zusammenleben aufgibt und in die Selbständigkeit aufbricht. Studium, Job, Lehre – vielerlei neue Lebensabschnitte bringen auch den Auszug aus Hotel Mama mit sich.

Die neu gewonnene Freiheit und die leeren Zimmer lösen aber nicht immer nur Freude bei den Eltern aus. Oft entsteht innere Leere oder Angst vor dem Loslassen. „Der Lösungsprozess beginnt eigentlich bei der Geburt. Eltern müssen früh lernen, die Autonomiebestrebungen ihrer Kinder zu erkennen und diese soweit zu unterstützen, als es ihnen gut tut. Das wichtigste ist dabei Geduld“, erklärt Dr. Karin Urban, Psychologin und diplomierte Familienberaterin vom Zentrum für Ehe- und Familienfragen in Innsbruck. Besonders im späteren Jugendlichenalter sei es wichtig, Kontrolle und Allmachtsphantasien loszulassen. Kinder müssen versuchen dürfen – alleine überlegen dürfen, wie sie Probleme bewältigen.

So können auch Eltern lernen, sukzessive lockerer zu werden und dies auch auszuhalten. Urban gebraucht dabei das Bild des Fahrlehrers: „Die Aufgabe der Eltern ist, achtsam dabei zu sein und nicht dauernd ins Lenkrad zu greifen. Nur bei Gefahr schreitet man ein.“ Nicht ganz einfach – aber der Begriff der distanzierten Nähe spiegelt auch den Zustand wieder, den sich Jugendlichen von ihren Eltern in der Situation des Auszuges oft wünschen. Wichtig sei auch, gegenseitige Erwartungen miteinander zu bereden, aber nicht zu zerreden. Wieviel Unterstützung oder Hilfe ist gegenseitig erwünscht?

Um die oftmals entstehende Leere sollten sich die Eltern laut Urban aber schon früher kümmern. „Etwa ab der Pubertät haben Eltern wieder etwas mehr Zeit, sich um ihre eigene Entwicklung und ihre Interessen zu kümmern. Und diese sollten sie auch nutzen“, so Urban. Denn wer sich nicht mitentwickelt, könnte dann vor dem Nichts stehen. Letztendlich sei es aber auch hilfreich, sich die Frage zu stellen: Was bringt es mir selbst oder meiner Beziehung, dass die Kinder nun selbständig leben? Auch dies kann zu hilfreichen Erkenntnissen führen.

Um seine Kinder im guten Sinne loslassen zu lernen, unterstützt Sie auch gerne eine Beraterin/ein Berater in einer der österreichischen Beratungsstellen.