Ein muslimisches Mädchen ist zusammen mit anderen Mädchen zu sehen. Sie lächeln.

Wie kann Integration in der Schule stattfinden? Alternativen zur „Ausländerklasse“

In Wien haben 50 – 70% der Kinder und Jugendlichen unter 15 Jahren Migrationshintergrund. Etwa ein Drittel besitzt eine ausländische Staatsbürgerschaft, die meisten sind aber in Österreich geboren (Quelle: Statistik Austria).

Diese „Zweite Generation“ wächst meist im Kreis einer sozial schwachen Familie in einem Migrantenviertel der Stadt auf und besucht eine sog. „Brennpunktschule“. Hier treffen Kinder und Jugendliche unterschiedlicher sprachlicher Herkunft aufeinander. Da sie zuhause und unter Freunden primär ihre Muttersprache sprechen, verstehen sie Deutsch oft schlecht oder garnicht. Sattelfest sind sie in der Muttersprache oft ebenso nicht.

„In diesen Schulen mit multikulturellem Einzugsgebiet wird Deutsch als (Unterrichts-)Sprache gezielt gefördert, nicht zuletzt um die Schüler bestmöglich auf den Arbeitsmarkt vorzubereiten“, weiß Mag. Barbara Spranger. Sie ist Klinische und Gesundheitspsychologin sowie Psychotherapeutin am Institut für Familien- und Jugendberatung der Stadt Linz. Den sog. „Ausländerklassen“ steht sie ambivalent gegenüber: „Schüler mit nichtdeutscher Muttersprache werden zwar intensiv betreut, aber nicht integriert.“

Dass österreichische Schüler und jene mit Migrationshintergrund in den Schulen ungleich verteilt sind, hat mit gegenseitigen Vorurteilen zu tun: Während österreichische Eltern etwa fürchten, dass das Leistungsniveau ihrer Kinder durch einen hohen ‚Ausländeranteil’ in der Klasse sinkt, sorgen sich jene mit ausländischen Wurzeln vor Anfeindungen. „Das Fremde löst Unsicherheiten aus“, erklärt die Expertin. „Nur wer offen ist und aufeinander zugeht kann Vorurteile auflösen. Wie leicht das fällt, hat nicht zuletzt mit Bildung und Wohlstand zu tun, denn: Wer gut situiert ist, kennt das österreichische Schulsystem besser und kann seine Kinder besser unterstützen. Er ist zudem weniger verunsichert als jemand der um seinen Arbeitsplatz fürchten muss.“

Kinder gehen laut Mag. Spranger viel unbekümmerter mit Fremdheit um als Erwachsene. In Kindergärten und Schulen seien Pädagogen stets bemüht, das positiv zu verstärken. Für die Integration wünscht sich die Beraterin eine ausgeglichene Vielfalt: „Hat eine Nation die Mehrheit, so wird diese Machtposition ausgespielt und von den anderen als Bedrohung empfunden. Sind die Nationen im Gleichgewicht, so kann Integration gelingen. Die Bedingungen dafür zu schaffen ist eine politische Aufgabe.“

Wichtig sei es vor allem, ein Bewusstsein für den Migrationshintergrund als Ressource zu schaffen: „Die Mehrsprachigkeit und der differenzierte Hintergrund können ja auch genutzt werden, um voneinander zu lernen und gegenseitig zu profitieren. Die Experten der österreichischen Familienberatungsstellen bieten Lehrern, Eltern und Schülern hier ihre Unterstützung an“, so die Psychologin abschließend.