Wie kann ich mein Kind für Süchten schützen

Wie kann ich mein Kind vor Süchten schützen?

Als Sucht bezeichnet man das wiederholte und unwiderstehliche Verlangen, einen als angenehm empfundenen Bewusstseinszustand zu erlangen – das kann auch schon bei Kindern entstehen. 

Diese kindlichen Suchtendenzen kann man mit viel Fingerspitzengefühl erkennen. Wird der Widerstand immer stärker, wenn der Fernseher abgedreht wird? Hat sich das Verhalten verändert? Zieht sich das Kind zurück? Beginnen Dinge zu fehlen? Das alles können Hinweise darauf sein, dass es im Umfeld Probleme geben könnte. Computerspiele lenken sehr gut ab, aber exzessives Spielen kann ein etwaiges Suchtproblem werden. Für Drogen oder Alkohol gilt das genauso. 

Kinder beobachten und lernen von ihren Eltern. Was ihnen vorgelebt wird, halten sie für normal. Das Betrinken an jedem Wochenende, die Zigarette zur Entspannung, die Tablette beim kleinsten Anzeichen von Kopfweh, das Einschalten des Fernsehers, sobald man bei der Tür reinkommt, das ständige Greifen nach dem Handy um neue Postings abzufragen oder aber auch das Essen von Schokolade nach einem frustrierenden Arbeitstag. Das sind alles Verhaltensweisen, die zu zukünftigem Suchtverhalten führen können. 

„Es ist für ein Kind verwirrend, wenn ein Elternteil den Umgang mit dem Handy verbietet aber selber ständig auf sein iPhone schaut“, sagt Mag. Barbara Rogan vom Beratungszentrum Libit in Leoben, (http://www.libit.at), „darum ist es auch wichtig, dass man gewisse Regeln selbst einhält. Kein wahlloses Fernsehen und nicht jedes Wochenende betrunken nach Hause kommen oder sich jeden Tag mit Schokolade belohnen.“

Ein weiterer Tipp der Expertin: Öfter einmal Nein sagen. „Ich weiß, das ist nicht immer leicht. Schließlich kostet es Nerven, in einem Supermarkt ein tobendes Kind neben sich zu haben. Aber es ist lohnenswert für den Nachwuchs, konsequent zu sein. Dadurch können Kinder lernen, Vorfreude zu entwickeln. Wenn einer ständigen Gier nachgegeben wird, wird das Verlangen immer größer.“ 

Weitere Möglichkeiten: Fernsehen oder Computerspiel zeitlich reglementieren – und dann aber das Raunzen des Kindes auch auszuhalten. „Das erfordert natürlich auch Geduld und eine gewisse Abgeklärtheit,“ so Rogan. „Bei Kindern, die Langeweile nicht aushalten und immer abgelenkt werden wollen, kann sich das auch begünstigend auf ein mögliches Suchtverhalten auswirken.  Lernt das Kind schon früh, sich manchmal auch selbst zu beschäftigen und das Gefühl des Fadseins als etwas Positives zu sehen, ist das schon eine hilfreiche Prävention.“

Auch eine gute Eltern-Kind-Beziehung kann einer möglichen Sucht entgegenwirken. Je selbstbewusster ein Kind ist, desto weniger leicht schlittert es in ein Suchtverhalten. Wird das Kind älter, scheint es für Erziehungsberechtigte immer schwieriger, sein Kind beschützen zu können. Auch da hilft eine gute Bindung zum Elternhaus. Eltern können ab einem bestimmten Alter ruhig zum Kumpel werden. Je verständnisvoller die Eltern mit ihrem Nachwuchs umgehen, umso verstandener fühlt er sich und erzählt von sich aus, was er erlebt, ausprobiert oder in ihm vorgeht.

Auch wenn man sich noch so große Sorgen um sein Kind macht, sollte man es dennoch nicht bedrängen oder mit Vorwürfen überschütten. Ein konstruktives, partnerschaftliches Gespräch kann oft sehr hilfreich sein. Braucht man als Mutter oder Vater Tipps zu dem Thema, dann stehen die österreichischen Beratungsstellen kostenfrei für alle hilfesuchenden Personen zur Verfügung.