Mädchen am Computer freut sich

Wie geht entspanntes Home-Schooling?

Familien mit schulpflichtigen Kindern haben derzeit eine ungewohnte Herausforderung zu meistern: Das sogenannte Home-Schooling. Die Lehrbeauftragten erteilen Arbeitsaufträge, teils mit, teils ohne Abgabetermine – dies oft auch noch auf unterschiedlichen Online-Plattformen. Die Kinder und Jugendlichen sind nun plötzlich gefordert, ihr Lernpensum zuhause zu bewältigen, selbst zu organisieren und einzuteilen und dies oft ohne klare Vorgaben und persönliches Feedback.

Elke Heilborn ist Klinische- und Gesundheitspsychologin, Kinder- und Jugendlichentherapeutin am Institut für Familien- und Jugendberatung in Linz.

Sie hat konkrete Vorschläge, wie man damit umgehen kann: „Ganz wichtig ist, den Kindern klarzumachen, dass keine Ferien sind. Es ist zwar eine andere Situation, aber es sind Aufträge zu erfüllen.“ Mit jüngeren Kindern würde eine klare Lernstruktur wie Tages- und Wochenpläne helfen, die Motivation aufrecht zu erhalten. „Man muss sich an der Konzentrationszeit orientieren. Die Daumenregel ist hier: Alter mal zwei.“ Ein 10-jähiges Kind kann also etwa 20 Minuten am Stück gut lernen. Danach empfiehlt die Expertin jedenfalls eine Pause. „Das kann Musik hören sein, ein wenig Bewegung oder ein Snack.“

Ein weiterer Tipp: Eher früher als später am Tag beginnen. Heilborn: „Passen Sie die Übungs- und Lernzeiten an das normale Schulleben an. Zwischen 8:00 und 9:00 Uhr sollte man schon starten und etwa zu Mittag dann beenden.“ Die Schulkinder würden sonst das Gefühl haben, nie zu einem Ende zu kommen. Können sich die Kinder jedoch darauf einstellen, dass der Vormittag dem Lernen gewidmet ist und dann ihre Freizeit beginnt, müsse man nicht jeden Tag neu darüber diskutieren.

Die Psychologin empfiehlt aber auch, auf die Tagesverfassung und die Bedürfnisse der Kinder einzugehen: „Es ist kein Drama, wenn es an einem Tag einmal nicht so gut läuft, oder man eine Einheit auf den Nachmittag verschiebt. Auch Kinder haben Ängste, Sorgen und Schwierigkeiten mit der derzeitigen Situation – das sind schlechte Lernbegleiter.“ Am besten sei nachzufragen, warum es heute schwieriger ist als sonst und mit den Kids über Sorgen zu sprechen.

Wichtig ist aus Sicht der Beraterin auch, der Schule oder den Lehrer/innen rückzumelden, wenn es zu viel sein sollte, oder wenn man grundsätzlich Probleme mit Ressourcen hat. „Fordern Sie jedenfalls Feedback ein – klarerweise sinkt die Motivation, wenn man das Gefühl hat, die Aufgaben werden gar nicht kontrolliert“, so Elke Heilborn.

Wer sich mit einer Beraterin oder einem Berater über Home-Schooling unterhalten will, kann gerne auch telefonisch oder per Mail mit einer der österreichischen Familienberatungsstellen Kontakt aufnehmen.