kind steht am grab

Wie erkläre ich Kindern den Tod?

Wenn ein naher Angehöriger stirbt, sind Kinder oft irritiert und erschüttert. Sie verstehen die Welt nicht mehr. Ein sensibler Umgang kann den Trauerprozess erleichtern.

Eine Situation, die früher oder später in jeder Familie eintritt: Ein geliebter Mensch stirbt, z.B. ein Großelternteil, und die Eltern stehen vor der Herausforderung, ihren Kindern begreiflich zu machen, was passiert ist. Mag. Vera Wimmer, Gruppenleiterin bei Rainbows und zuständig für dieses Thema, schickt voraus: „Das Modell für die Trauer der Kinder sind die nahen Bezugspersonen, in diesem Fall also die Eltern.“ Wie die Eltern die Trauer leben, beeinflusst die Kinder. Wichtig sei vor allem, die richtigen Worte zu verwenden. „Der Opa ist gestorben und kann nicht wiederkommen. Es muss klar sein, dass man mit dem Opa jetzt nie wieder spielen kann.“ Wenn es für die Eltern stimmig ist, kann der Opa auch im Himmel sein. Keinesfalls jedoch sollten der verstorbenen Person pädagogische Aufgaben zugeteilt werden. Etwa: „Der Opa würde sich jetzt bestimmt sehr freuen, wenn Du alles aufisst. Du weißt ja – er schaut Dir vom Himmel aus zu.“

Prinzipiell können und sollen Kinder jeden Alters in die Abschieds- und Begräbnisfeierlichkeiten einbezogen werden. So wissen und spüren die meisten sehr genau, ob sie den Verstorbenen nochmals sehen und ob sie beim Begräbnis dabei sein möchten. Allerdings muss man die Kinder gut vorbereiten, damit sie sich vorstellen können, was sie erwartet und damit sie z. B. auch vorher Zeichnungen für den Verstorbenen malen oder Blumen aussuchen können. Während des Begräbnisses selbst sollten die Kinder von einer vertrauten Person begleitet werden, die selbst nicht so emotional belastet ist. Wimmer: „Kinder müssen nicht zwangsläufig geschont werden. Sie haben ihre eigene Art seelische Belastungen auszugleichen. Wenn es ihnen zu viel wird, fangen sie an zu spielen oder ziehen sich aus der Situation zurück.“ Das sollte ihnen ermöglicht werden.

Schwierig wird es oft, wenn ein Elternteil sterben wird oder auch plötzlich aus dem Leben gerissen wird. „Ich höre bei meiner Arbeit sehr oft die Wörter ,unfair´ oder ,gemein´. Die Kinder sind frustriert, fühlen sich hilflos und reagieren aggressiv.“ Manchmal kommt es zu veränderten Verhaltensweisen. Kinder wollen beispielsweise zurück ins elterliche Bett, sie leiden an Schlafstörungen oder erstarren emotional. Wimmer: „Das Unnormale muss in so einer Ausnahmezeit normal sein dürfen. Die Kinder müssen sich erst an die veränderte Lebenssituation anpassen.“ Wichtig sei es, die Kinder bei diesem Prozess einfühlsam zu begleiten. Wenn die verstorbene Person für einen Lebensbereich des Kindes besonders wichtig war, wäre es schön, wenn ein anderer Erwachsener sich anbieten könnte. Falls der verstorbene Papa mit seinem Jungen regelmäßig Fußball gespielt hat, kann es dem trauernden Kind helfen, wenn sich dafür jemand zur Verfügung stellt.

Vier Punkte sind wichtig:

  • die Fragen der Kinder zum Tod der Person altersgemäß zu beantworten, so gut man es weiß und kann;
  • ihnen Möglichkeiten aufzuzeigen, wie sie Erinnerungen und Verbundenheit mit der Person weiterpflegen können; 
  • Offen für Gespräche über Traurigkeit, Wut, Angst, Schuldgefühle zu sein;
  • ihnen eine Zukunftsperspektive und Hoffnung zu geben;

Hier kann auch Rainbows weiterhelfen. Wimmer: „Wir freuen uns, wenn uns Menschen anrufen, und sei es auch nur um abzuklären, ob sie mit dem Thema kindgerecht umgehen. Sich hier Bestätigung zu holen, schafft Sicherheit und das ist sehr wichtig.“ Unmittelbar nach einem Verlust ist es sinnvoll mit einer Einzel- oder Familienbegleitung zu beginnen, mit etwas Abstand zum Todesfall ist es Kindern auch möglich, an einer Gruppe teilzunehmen. „Hilfreich ist dabei, dass die Kinder erkennen, dass sie nicht die einzigen sind, die jemanden sehr vermissen. Sie lernen auch von einander und erkennen so ein Licht am Ende des Tunnels. Sie finden mit den anderen gemeinsam schöne und stärkende Rituale, so dass der verstorbene Mensch einen stimmigen Platz in der Lebensgeschichte eines jeden Kindes behalten kann.“