Wenn Verdacht auf Seitensprung besteht

Wenn Verdacht auf Seitensprung besteht

Oft sind es erste kleine Anzeichen in der Beziehung: Der Partner/die Partnerin ist häufiger weg, er/sie ist nicht mehr so liebevoll und es finden weniger Zärtlichkeiten oder Sex statt. Die Dipl. Ehe-, Familien- und Lebensberaterin Andrea Holzer-Breid von Beziehungleben.at in Linz spricht von der Norm abweichenden Begebenheiten, die dann zu einem ersten Verdacht führen, dass ein anderer Mann oder eine andere Frau im Spiel sein könnten: „Wir hören in unseren Beratungen auch immer wieder von Fällen, bei denen das gesamte Umfeld schon längst von einer Außenbeziehung weiß, nur der betroffene Partner nicht. Das kann ein ziemlicher Schock sein, von Freunden davon zu erfahren.“

Dann beginnt meist ein unangenehmer Prozess, der mit Handykontrolle beginnt und bis zu körperlicher Gewalt führen kann. Laut der Beraterin reagieren Männer tendenziell mit Besitzansprüchen auf die Angst, ihre Frau zu verlieren. Viele Frauen erleben Selbstabwertung und Selbstzweifel und fragen sich: „Was hat die andere Frau, was ich nicht habe?“ Daher der Rat der Beraterin: „Der erste Schritt ist, Selbstliebe zu lernen und auf sich selbst zu schauen. Das „Ich mag mich!“-Gefühl müsse gestärkt und selbstwertsteigernde Maßnahmen ergriffen werden. „Frauen suchen oft bei sich selbst die Schuld, Männer gern bei anderen. Die Suche nach dem Schuldigen hilft aber nicht weiter. Es können verschiedenste Gründe hinter dem Fremdgehen stecken. Manchmal ist es nur der Wunsch, mit jemandem wieder einmal richtig gut reden zu können“, so Holzer-Breid.

Eine wesentliche Maßnahme, wenn der Verdacht sich verhärtet, sei es den Partner/die Partnerin zu konfrontieren. Beide Partner müssen darüber reden, ob ihnen die Beziehung wichtig ist und ob oder auf welche Art ein gemeinsames Weiterleben möglich ist.

So manche Außenbeziehung entsteht in einer Zeit, in der in der Paarbeziehung eine Veränderung ansteht oder schon geschehen ist und beide Partner neu miteinander ihre Lebens-Bedürfnisse aushandeln müssen: wenn ein Kind auf die Welt kommt, wenn die Kinder aus dem Haus gehen, wenn es beruflich stressig ist. Viele Menschen, die fremdgehen, fühlen sich in der Außenbeziehung geliebt, verstanden und gesehen, fühlen, Qualitäten, die vielleicht in der Paar-Beziehung mit der eigenen Frau/dem eigenen Mann verloren gegangen sind.

Oft entstünde durch eine Außenbeziehung auch ein neue Chance. Unerfüllte Sehnsüchte werden aufgezeigt, Bedürfnisse werden deutlich und mit guten Gesprächen und einem neuerlichen gemeinsamen Wollen könne die Beziehung danach besser sein als zuvor. „Um nicht in gegenseitigen Vorwürfen stecken zu bleiben ist es sinnvoll, sich als Paar in einer Beratung begleiten zu lassen.“, weiß die Beraterin.

Zur Prävention von Seitensprüngen, rät Holzer-Breid, als Paar einerseits viel Kontakt, Zärtlichkeit und Austausch zu suchen und andererseits genügend Freiraum für jeden selbst zu schaffen. „So bleibt man für den Partner/für die Partnerin interessant.“, so die Beraterin.

Wer sich mit Außenbeziehung oder dem Verdacht darauf konfrontiert sieht, wendet sich am besten an eine der zahlreichen österreichischen Familienberatungsstellen.