perfekt sein

Wenn man immerzu perfekt sein möchte

Ich muss immer höchste Qualität bringen, darf keine Fehler machen. Alles muss ordentlich und aufgeräumt sein – ich muss rundum perfekt aussehen … Diese und ähnliche Gedanken sind typisch für Menschen mit Hang zum Perfektionismus. Solche Personen müssen immer funktionieren – und zwar wie am Schnürchen. „Das ist in Wahrheit nichts anderes als ein Kontrollzwang, der seine Ursache in der frühesten Kindheit hat. Oft wurde auf den späteren Perfektionisten als Kind zu viel Druck ausgeübt. Es wurden Erfolge in den Vordergrund gestellt und der Selbstwert wurde damit geschwächt“, weiß Dr. Karl Leibetseder, klinischer Psychologe, Gesundheitspsychologe und Vereinsvorstand der Gesellschaft für Persönlichkeits- und Berufsbildung.

Personen mit perfektionistischer Veranlagung seien oft in Berufen zu finden, die sehr viel Genauigkeit und Gewissenhaftigkeit erfordern wie Ärzte, Juristen, Buchhalter. In Wahrheit stünden sie immer unter Druck – keinerlei Fehlertoleranz zu haben macht das Leben anstrengend. Der Leidensdruck für betroffene Personen beginnt dann, wenn sie kritisiert werden: „Perfektionisten haben eine sehr geringe Kritiktoleranz und große Panik davor, arbeitsunfähig zu werden oder nicht mehr gut zu funktionieren“, so Leibetseder. „Wenn sie dann das Gefühl bekommen, nicht mehr ausreichend Kapazitäten zu haben, ihre Aufgaben perfekt erfüllen zu können, rutschen sie schnell in ein sogenanntes Burn-Out.“ In einer Beratung können Betroffene ihre Situation reflektieren und sich vorerst mit sich selbst beschäftigen, anstatt immer nur auf die Perfektion in ihrem Handeln zu achten. Laut Leibetseder gibt es gute Methoden, um über den Schatten des Perfektionismus hinauswachsen zu lernen.
Menschen mit dem Drang nach Perfektion haben es oft sehr schwer, eine gute Partnerschaft zu führen. Partner/innen müssten sich dem Ordnungsgefüge immer unterordnen, es gäbe wenig Spontanität und oft resultieren daraus Konflikte, die irgendwann zu schweren werden. „Am besten kommt ein Perfektionist alleine zurecht – was aber natürlich a la longue auch nicht geht, da der Mensch ja das Miteinander sucht. Aber es braucht eben sehr viel Beziehungsarbeit, je nachdem, auf welchen Typ man trifft“, so Leibetseder.

Wer sich von diesem Thema angesprochen fühlt, ist in einer der zahlreichen österreichischen Beratungsstellen herzlich willkommen, um sein Problem mit einem Profi zu besprechen.