Wenn man den Sinn im Leben verliert

Wohl jeder Mensch kommt im Laufe seines Lebens an einen Punkt, an dem er sich die Sinnfrage stellt: die Frage nach dem Sinn des eigenen Lebens und des Lebens überhaupt.  Manche Menschen kommen durch eine Lebenskrise in einen Zweifel am Sinn ihres Daseins. Die Freude nimmt ab, man wird trübsinnig – schlimmstenfalls depressiv. Albert A. Feldkircher ist Beziehungs-Coach, Kommunikationstrainer, Buchautor und auch als Berater im Ehe- und Familienzentrum Feldkirch tätig. Zu diesem Beruf ist er selbst nach einer Sinnkrise in der Lebensmitte gekommen und jetzt seit Jahren glücklich über seine Neuorientierung. „Ich möchte einen Gedanken an den Anfang stellen, eine Erkenntnis aus meiner Krise: „Sie ist ein Weckruf deines Körpers, deiner Seele, die zu dir sagt: So sollst du dein Leben nicht weiterführen.“

Die Lebensmitte ist ein Zeitpunkt, an dem viele Menschen ihre Ziele fürs erste abgehakt haben.  Sie reflektieren ihr bisheriges Leben und stellen sich die Frage nach neuen Perspektiven. „So erlebe ich das oft in der Männerberatung“ kann Albert Feldkircher berichten.  Bei Frauen entstehen Sinnkrisen mitunter, wenn die  Kinder flügge werden und das Nest leer wird. Ihre ganze Aufmerksamkeit und Fürsorge war auf die Kinder, auf den Zusammenhalt der Familie fokussiert. Was kann jetzt noch kommen? Eine schmerzhafte Trennung, Tod eines Kindes oder nahen Angehörigen oder andere einschneidende Ereignisse können am Sinn des Lebens zweifeln lassen.

„Auf sich selbst zurückgeführt und  gezwungen zu sein, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen – da tun sich viele Menschen schwer.“, weiß der Berater.  Es sei eine lebenslange Aufgabe, an sich selbst zu arbeiten,  die eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen und damit vorbeugend einer Sinnkrise entgegenzuwirken. Nur zu funktionieren, versuchen alles unter einen Hut zu bringen und immer nur für andere da zu sein, führt irgendwann in eine Sackgasse.“

„Wer in dem Gefühl der Sinnlosigkeit steckt, kommt meist schwer aus eigener Kraft heraus. Da kann ein Gespräch mit dem Partner, einem guten Freund oder einem professionellen Berater hilfreich sein und Türen öffnen, empfiehlt Feldkircher.  „Wichtig ist zu Beginn, vom Haben weg ins Sein zu kommen. Also nicht: Was habe ich? Sondern:  wer und was bin ich?“ Bewusster mit sich selbst umzugehen, sich Zeit für das Ich zu nehmen, persönliche Oasen zu finden, das sind  weitere konkrete Maßnahmen. “ . Ein weiterer bewährter Rat: „Wechseln Sie die Perspektiven! Verlassen Sie ihren Platz! Reisen Sie!“ 

Lebenssinn ist immer mit meinen Werten und Idealen verbunden, weil ich mit ihnen meinem Leben Sinn gebe. Das kann Liebe, Treue, Freiheit, Umweltschutz, Gerechtigkeit oder anderes heissen. Wenn einem Menschen mit ausgeprägtem Gerechtigkeitssinn eine große Ungerechtigkeit widerfährt, kann er in eine Sinnkrise stürzen. Ebenso ein Mensch, dem Treue ein hohes Ideal bedeutet und der Untreue erfährt. Und so weiter. Dann sind wir gefordert, so Feldkircher, unser Wertesystem zu überdenken und neue Werte für uns zu finden, die unser Leben lebenswert machen.

Am Ende der Erkenntnis steht: „Der Sinn des Lebens ist das Leben selbst.“