Ein Junge und ein Mädchen stehen sich gegenüber, Stirn an Stirn, mit den Händen in die Hüften gestemmt.

Wenn Geschwister zu Rivalen werden

Geschwister verbinden starke positive Bande. Genauso alltäglich sind aber auch Ungereimtheiten: Streit, bis hin zu Rivalität. Der Wunsch nach ungeteilter Liebe der Eltern kann zu kämpferischem Verhalten, Neid und Eifersucht führen.

„Kinder lernen daraus und machen erste Beziehungserfahrungen, sie können ihre Auseinandersetzungen in vielen Fällen auch selbst lösen“, weiß Mag. Julia Erlach, Bereichsleiterin der Familienberatung KOKO, Kontakt- und Kommunikationszentrum für Kinder, in Salzburg. „Wichtig für Eltern: Ruhe und Gelassenheit bewahren, versuchen, eine neutrale Haltung einzunehmen und rechtzeitig eingreifen, wenn Streitigkeiten nicht alleine gelöst werden können.“

Sind Geschwister einander sehr ähnlich in Alter oder Geschlecht, können Vergleiche und Konkurrenzkämpfe noch ausgeprägter sein. Auch eine Veränderung der Lebenssituation führt häufig zu Rivalitäten. Kommt etwa ein neues Geschwisterchen auf die Welt und nimmt viel Zeit der Eltern in Anspruch, müssen sich der oder die Älteren mit Eifersucht und Verlustangst auseinandersetzen. Oft kommt es dann zu regressivem Verhalten, Windel oder Fläschchen werden plötzlich wieder gewünscht. „Eltern müssen das akzeptieren und ernst nehmen. Diese Phase geht vorüber“, so Mag. Erlach.

Handelt es sich bei dem neuen Erdenbürger um ein beeinträchtigtes Kind oder erkrankt das jüngere Kind, ist Verständnis von den Älteren ca. ab dem Schulalter zu erwarten. Der Rat der Expertin: „Man kann das ältere Kind altersadäquat in die Betreuung miteinbeziehen, sollte möglichst viel Verständnis zeigen und ihm signalisieren, dass man weiß, wie schwierig die Situation für das oder die Kinder ist.“

Grundsätzlich sind Eltern laut FamilienberaterInnen dazu aufgefordert, den Kindern sooft wie möglich zu sagen, dass sie alle Kinder gleich gerne haben. Jedes Kind sollte als Persönlichkeit mit seinen Stärken und Schwächen gesehen werden – Vergleiche sind fehl am platz, der Fokus liegt auf den Ressourcen jedes Kindes! Hilfreich können auch Exklusivzeiten (z.B. in Form eines Ausfluges, an dem nur das ältere Kind und der Papa teilnehmen) sein, die mit den Kindern vereinbart werden. Ältere Geschwister können lernen, Verantwortung zu übernehmen, indem sie zu altersadäquaten Tätigkeiten (z.B. Fläschchen geben) motiviert werden.

Wenn die Anpassungsphase länger andauert, sich Verhaltensauffälligkeiten (z.B. Schlafstörungen, Aggressionen, …) manifestieren und trotz vieler Gespräche (z.B. regelmäßig stattfindender „Familienrat“) keine ausreichende Lösung gefunden werden kann, sollten die Eltern in einer der zahlreichen Familienberatungsstellen Österreichs außenstehende Hilfe in Anspruch nehmen.