Ein Paar: er ist abwesend im Hintergrund und sie hat einen genervten und verzweifelten Gesichtsausdruck.

Wenn es mit dem Kinderwunsch nicht klappt

Immer mehr Paare haben Probleme, schwanger zu werden und stehen unter immensem Druck, ihren Kinderwunsch umzusetzen. Doch was kann man tun, wenn sich Sexualität nur mehr nach biologischen Zeitplänen orientiert und die Partnerschaft droht, am Kinderwunsch zu zerbrechen?

„Die Anzahl der Paare steigt, die kinderlos bleiben und aus diesem Grund zur Beratung kommen." , so Michaela Kaiser, Vorsitzende von ZOE – Beratungsstelle rund um Schwangerschaft und Geburt in Linz. Experten empfehlen von Anfang an, Druck herauszunehmen und ganz individuelle Auszeiten zu nehmen um sich bewusst immer wieder vom Kinderwunsch gedanklich zu lösen. „Das aktive Herausnehmen aus dem Alltag ist extrem hilfreich. Es braucht manchmal nur zehn Minuten pro Tag, die man ganz sich selbst gönnt.“, rät Kaiser. Falls man sich sehr lange nur mehr auf den Kinderwunsch fixiert hat, können sogenannte Liebesurlaube für die Partnerschaft gut sein.

Am kritischsten zieht man dabei meist mit sich selbst ins Gericht. Bei einem unerfüllten Kinderwunsch verschiebt sich oft die allgemeine Rolle des Mannes- oder des Frauseins. Kaiser dazu: „Männer und Frauen glauben, nicht mehr vollwertig zu sein. Es muss ein neues Bild geschaffen werden, das gelingt oft besser am besten mit qualifizierter außenstehender Hilfe.“

Eine allgemeine Faustregel ist, ein Jahr lang zu versuchen, schwanger zu werden und dann bei Ausbleiben einer Schwangerschaft eine medizinische Meinung einzuholen. Meist sind Frauen die ersten, die sich untersuchen lassen. Für Männer liegt die Hemmschwelle dafür oft höher. Falls der Grund konkret nur bei der Frau oder bei dem Mann liegt, ist es umso wichtiger, diese Situation offen zu bereden. „Die unfruchtbare Person in der Partnerschaft ist sich der Liebe seines Partners oftmals nicht mehr sicher und versucht ihn freizugeben oder sogar wegzustoßen“, so Kaiser.

Mit der Diagnose Unfruchtbarkeit umzugehen ist eine der schwierigsten Angelegenheiten, besonders wenn man ein Kind als die Erfüllung seines Lebens oder als einen der wichtigsten Abschnitte seines Lebens gesehen hat. „Hier ist definitiv Trauerarbeit notwendig, um diesen Schock zu verkraften. Man sollte sein Leben umstrukturieren und versuchen, neue Prioritäten zu setzen. Aber auch die Entscheidung, sich um die Adoption eines Kindes zu bemühen, kann für ein Paar die richtige sein. Grundsätzlich gilt: Alle Emotionen und Gefühle sind erlaubt und sollen zugelassen werden. Nur so kann man eine solch kritische Situation heil überstehen.“

Hilfe und Beratung rund um dieses Thema können Sie bei verschiedenen Beratungsstellen in Ihrer Nähe finden.