Zwei Paare sitzen einander in einem Lokal gegenüber. Eines der Paare sitzt mit großem Abstand zueinander, das andere ist sich sehr nah.

Wenn ein befreundetes Paar sich trennt

Trennt sich ein Paar aus dem Freundeskreis, kann es vorkommen, dass man in einen Loyalitätskonflikt gerät. Vor allem dann, wenn Sie beiden als Seelentröster zur Verfügung stehen möchten. Dr. Belinda Mikosz, Klinische- und Gesundheitspsychologin und Psychotherapeutin in der Ehe- und Familienberatung der Stadt Wien, weiß: „Hier ist Fingerspitzengefühl gefragt, denn bei einer Trennung sind die davon Betroffenen in einer emotional schwierigen Situation. Die Nerven liegen manchmal blank.“ Dominieren Konflikte, Kränkungen und Enttäuschungen, genügt oft nur ein gut gemeintes Wort, und die Situation eskaliert. Daher empfiehlt Dr. Mikosz: „Bleiben Sie möglichst neutral, ergreifen Sie nicht Partei, sondern unterstützen sie durch Zuhören oder tatkräftige Hilfe (z.B. beim Umzug), wenn diese benötigt wird.“

Hilfreich könne es auch sein zu zeigen, wie wichtig einem die Freundin bzw. der Freund ist. Beide sollten wissen, dass sie auf Ihre Freundschaft nicht verzichten müssen, nur weil sie sich trennen. In der Regel passiert es aber, dass die ehemaligen Freunde und Freundinnen der Frau dieser zur Seite stehen und die ehemaligen Freunde und Freundinnen des Mannes sich für ihn entscheiden.

Gefühlsausbrüche können vorkommen, vor allem dann, wenn sich jemand hintergangen oder schlecht behandelt fühlt. In solchen Situationen empfiehlt es sich, einfach da zu sein, ohne zu kommentieren. Parteilichkeit wird von den Betroffenen erwartet, schafft aber Probleme, wenn man beide mag. Hier empfiehlt die Expertin Stellung zu beziehen, wie z.B: „Ich mag euch beide, und ich bin überzeugt, dass wir auch nach eurer Trennung einen Weg finden, in Kontakt bleiben zu können. Eure Freundschaft ist mir wichtig.“ Mit Ratschlägen oder der eigenen Meinung sollte man jedoch sparsam umgehen. „Man erhält ja jeweils nur die subjektiv gefärbte Wahrnehmung der jeweiligen Partnerin oder des jeweiligen Partners. Was man im Vertrauen erfährt, sollte man auch nicht weitergeben“, rät Dr. Mikosz.

In den österreichweiten Familienberatungsstellen kann man kostenlose, fachgerechte Beratung bekommen – vielfach lohnt es sich, mit einer außenstehenden Person über die Trennungsmodalitäten zu reden und Vereinbarungen zu treffen, die konstruktive Lösungen ermöglichen.