Emotionsstörungen

Wenn der/die Partner/in Gefühle weder erwidern noch ausdrücken kann

Wer in seiner Beziehung auf Gefühlskälte prallt, fühlt sich einsam und allein. Es begegnet ihm wenig bis keine Empathie und oft kann er auch nicht abschätzen, wie es seinem Gegenüber geht. Das ist etwas, das man zwar in der ersten Zeit, wenn die Wolke noch rosarot ist, oft nicht erkennt, was aber sukzessive im Laufe des Zusammenseins zu einem ernsten Problem werden kann.

Mag.a Manuela Klein ist Psychotherapeutin und Psychologin in der Beratungsstelle Frauen beraten Frauen. Sie empfiehlt, schon von Anfang an abzuklären, ob der/die potentielle Partner/in Empathiefähigkeit hat. „Es wäre wichtig nachzuspüren, ob die Person sich in einem Gespräch in ihren Gefühlen verstanden fühlt.“ Man kann auch nach der vergangenen Beziehung fragen. Wie spricht der oder diejenige über seine/n Ex-Partner/in? Daran erkennt man schnell, ob er/sie auch Fehler bei sich selbst sieht und den/die Partner/in wertgeschätzt hat.“
Wenn es bereits zu spät ist und der/die Partner/in auf die eigenen Gefühle in keiner Weise eingehen könne, hängt es laut der Expertin vom Leidensdruck ab, welche Maßnahmen man ergreift. Wichtig sei zu verstehen, woher dieses Problem kommen könnte: „Wenn Babys und Kleinkinder in ihren Gefühlen nicht ernst genommen werden, übergangen werden wenn sie weinen oder lustig sind, lernen sie, dass es keinen Sinn hat, Gefühle zu äußern. Deshalb ist es immer wichtig, die Emotionsäußerungen der Kinder adäquat zu spiegeln. Sonst kann es im schlimmsten Fall zu Alexithymie, auch Gefühlsblindheit, kommen.“

Wenn die Beziehung intakt ist und gegenseitige Wertschätzung grundsätzlich vorhanden ist, könne ein Gespräch schon hilfreich sein. Klein empfiehlt, dem/der Partner/in offen zu sagen, wie es einem mit der/dem anderen gehe. Das Gespräch könnte etwa so beginnen: „Ich merke immer wieder, dass du dir schwer tust, deine Gefühle zu zeigen. Auch ich habe Schattenseiten, das weiß ich. Aber vielleicht können wir gemeinsam daran arbeiten.“
Vor allem Männer seien häufig diejenigen, die ihre Emotionen eher verborgen halten. Da sie auch weniger häufiger in ihrem Gefühlsspektrum seitens der Eltern gefördert werden. Noch immer gäbe es Eltern, die ihren Buben als „starken Indianern“ das Weinen untersagen. Dies findet sich auch bei der Erziehung von Mädchen wieder, wenn ihnen untersagt wird, Wut zeigen zu dürfen.

Wenn Sie mit jemanden über dieses Thema sprechen möchten, stehen ihnen die Türen der österreichischen Familienberatungsstellen jederzeit offen.