leere Taschen

Wenn das Geld nicht reicht ...

Gerade Eltern mit niedrigem Einkommen haben oft den Anspruch, ihren Kindern alles bieten zu müssen: Sei es das neueste Videogame, Markenkleidung oder elektronische Devices. Doch das ist ein Trugschluss, weiß die diplomierte Sozialarbeiterin Dorien Popovich von der Beratungsstelle Der Lichtblick: „Gerade Kinder von einkommensstärkeren Eltern verfügen nicht über alle neuen technischen Geräte, weil sie nicht das Gefühl haben, dass sie diese als Statussymbol brauchen.“ 

Doch wie geht man als verantwortungsbewusste Erziehungsberechtigten am besten damit um, allen Ansprüchen gerecht zu werden? 

In einem erster Schritt muss herausgefunden werden, was hinter dem Bedürfnis des Kindes wirklich steckt. Oft geht es um fehlende Anerkennung, mangelnden Selbstwert oder zu wenig Beschäftigung. Alternativen aufzeigen und die Kreativität fördern steigert den Selbstwert und die Selbstkompetenz der Kinder. „Eltern haben generell Vorbildwirkung. Die Bedürfnisse der Kinder auch auf andere Weisen zu erfüllen, gemeinsame Aktivitäten, reden, Gesellschaftsspiele spielen – alles Dinge, die kein Geld kosten“, empfiehlt Popovich. Es sollte das Ziel aller Erwachsenen sein, dass sich Kinder nicht über Statussymbole definieren müssen. 

„Kindern kann man schon recht früh das Thema Finanzen näherbringen. Wenn sie verstehen, dass die Mittel begrenzt sind, wird klar, warum nicht ständig etwas Neues angeschafft werden kann“, erklärt Popovich. Seinem Nachwuchs Taschengeld zu geben kann lehren, mit dem zur Verfügung stehenden Geld auszukommen. Einfache Kostenaufstellungen der Ein- und Ausgaben veranschaulichen, wo das Geld herkommt, was davon als Fixkosten abfließt und was übrig bleibt. „Was sind Verträge, was bedeutet es einen Kredit aufzunehmen, welche Konsequenzen können bei Nichteinhaltung diverser Punkte entstehen – alles Themen, mit denen heranwachsende junge Menschen im Sinne der primären Prävention vertraut gemacht werden müssen“, so Popovich. 

Denn auch in der Ausbildung wachsen die finanziellen Anforderungen. So werden etwa in vielen höheren Schulen Computer und Co. vorausgesetzt und nicht immer zur Verfügung gestellt. „Die Schüler/innen werden zwar nicht ausgeschlossen, doch ohne Computer ist es definitiv schwieriger“, so die Expertin. Das Gleiche gilt auch für diverse schulische Aktivitäten, wie Schikurse, Sprachreisen oder Schulausflüge – Eltern aus geringeren Einkommensschichten machen oft Schulden, um mithalten zu können. „Gespart wird dann bei lebensnotwendigen Ausgaben, wie etwa beim Essen“, so die diplomierte Sozialarbeiterin und Schuldnerberaterin.

 „Es wird in Zukunft eine gesellschaftspolitische Herausforderung sein, Familien mit geringeren finanziellen Mitteln zu helfen, ihren Kindern die ihnen entsprechenden Ausbildungen zu ermöglichen.“

Wer Hilfe und Unterstützung braucht kann sich gerne an die zahlreichen Beratungsstellen in Österreich wenden. Kompetente Beraterinnen und Berater stehen für Fragen kostenlos zur Verfügung.