Mädchen zuhause auf Couch

Wenn das erwachsene Kind nicht ausziehen möchte

In so mancher Familie mit erwachsenen Kindern kommt es vor, dass der Nachwuchs nicht ausziehen möchte. Oft sind es Einzelkinder, die das „Hotel Mama“ nicht verlassen möchten.

Helene Haidl, klinische Psychologin und stellvertretende Leiterin des psychologischen Dienstes der Wiener Kinder- und Jugendhilfe dazu: „In erster Linie muss der Standpunkt überprüft werden. Warum will der junge Erwachsene nicht ausziehen?“ Um die Gründe dafür zu finden, kann es sinnvoll sein, in Ruhe miteinander darüber zu sprechen. Geht es mehr darum, dass sie oder er nicht allein sein möchte? Ist es Unsicherheit? Hat sie oder er zu wenige Freund/innen? Oder ist es schlichtweg der Komfort zuhause und die Angst davor, wesentlich mehr Zeit in Hausarbeit investieren zu müssen?

„Oft sind es aber auch bewusste oder unbewusste Botschaften, die man als Eltern aussendet“, weiß Haidl. Das könne etwa sein: „Naja, macht ja nichts, eine Portion mehr kochen zu müssen.“ Die jungen Menschen würden das sehr schnell spüren und manche auch gerne annehmen, um zuhause wohnen bleiben zu dürfen. Man sollte sich als Eltern daher zunächst im Klaren darüber sein, was man selbst möchte.

Hat man all dies überprüft, wäre laut der Beraterin der nächste Schritt, die Abnabelungsmöglichkeiten zu überprüfen. Was braucht das Kind, um sich abnabeln zu können? Eine weitere Frage wäre auch, was sie oder er so sehr genießt im Elternhaus und wie man dies kompensieren oder ersetzen kann. So könne man etwa den Kontakt zu Eltern oder Geschwistern ja lebendig halten.

Sollte es primär um den Komfort gehen, so empfiehlt Haidl: „Machen Sie es den jungen Leuten etwas unbequemer zuhause. Integrieren Sie diese voll in die Hausarbeit und behandeln Sie sie wie gleichwertige Erwachsene.“

„Denken Sie aber auch daran, dass vielleicht jetzt wirklich noch nicht der richtige Zeitpunkt ist – wie dies beispielsweise bei einer körperlichen Erkrankung oder psychischen Belastung, wie einer depressiven Verstimmung der Fall sein könnte– und machen Sie keinen Druck, solange sich ihr Kind gut entwickelt.“

Wer sich dazu mit einem Profi austauschen möchte, wendet sich am besten an eine der zahlreichen österreichischen Familienberatungsstellen zu einem kostenfreien Termin an.