Vater hält Hand von Jugendlichem

Weg von den Drogen

Jugendliche, die von Suchtmitteln abhängig sind, leben inmitten vieler innerer Gegensätze. Um aus dieser Situation herauszufinden, braucht es vor allem ein stabiles Umfeld und Perspektiven.

„Abhängigkeit bedeutet für Jugendliche oft ein Hin- und Hergerissen-Sein zwischen unterschiedlichsten emotionalen und faktischen Welten“, erzählt Hilde Brandtner, Diplomsozialarbeiterin und Psychotherapeutin bei b.a.s., der Steirischen Gesellschaft für Suchtfragen. Da gibt es die Faszination  und die positiven Gefühle, die Substanzen (kurzfristig) bewirken. Dann gibt es Scham- und Schuldgefühle, das Erleben von Versagen und keinen Platz finden in dieser Welt, den verzweifelten Versuch der Umgebung ein Bild von Normalität zu zeigen,...

Drogen sind für Jugendliche häufig ein Lösungsversuch, sich von diversen Spannungsfeldern in der persönlichen Entwicklung, zu Hause, in der Schule, im Freundeskreis etc., zu distanzieren. „In der Beratung haben wir das Ziel, andere Lösungsmöglichkeiten für diese Probleme zu finden.“, erzählt Brandtner. Dabei wird jeder Fall individuell beurteilt und entsprechend behandelt: Inwiefern handelt es sich schon um eine Abhängigkeit? Wie weit kann der Jugendliche sich und sein Leben noch selbst steuern? Wie ist seine Persönlichkeit und Lebensgeschichte, sein psychischer Zustand und welche Funktion nimmt das Suchtmittel ein? Auf Basis dieser Informationen wird entschieden, ob eine stationäre oder ambulante Behandlung in Zusammenarbeit mit Fachärzt/innen angestrebt werden sollte.

Bedeutsam für den Erfolg einer Suchtbehandlung bei Jugendlichen können Eltern, Freunde und  andere Bezugspersonen sein, die Beziehungskontinuität und einen suchtfreien Lebensstil anbieten können. Viel zu oft werden nur die Probleme rund um die Sucht thematisiert. Stattdessen sollte der Blick darauf gerichtet sein, was gut gelaufen ist und was den abhängigen Menschen sonst noch ausmacht. Brandtner betont, dass diese Situation für Eltern besonders schwierig ist: „da sie sich einerseits nicht in Diskussionen mit Sohn/Tochter rund um das Thema Sucht verstricken lassen sollten und andererseits die Beziehungskontinuität als Eltern wahren sollten.“

Sich für eine Entwöhnungsbehandlung über mehrere Monate zu entscheiden, ist kein leichter Schritt. „Dafür bedarf es Vorbereitung und Abwägen. Der Mensch soll sich aus freien Stücken selbst dafür entscheiden. Nur so kann die Behandlung erfolgreich sein.“ In dieser Vorbereitungsphase wird besprochen, wo gegensätzliche Gefühle bestehen, wo der Jugendliche steht und wie das Leben danach aussehen kann. Welche Ziele und Perspektiven gibt es und welche Ressourcen können genutzt werden? Brandtner betont: „Wichtig ist es auch, den Jugendlichen umfassend zu informieren. Welche Abläufe kommen auf sie/ihn zu, was wird sie/ihn erwarten?“ Ebenso wird im Sinne einer Nachreifung geklärt: „Wer bin ich? Was will ich? Wo gehöre ich hin?“, so Brandtner.

Das Beziehungsnetz ist nicht nur vor und während des Entzugs wichtig. Auch nachher ist es ausschlaggebend dafür, nicht rückfällig zu werden. Gute Freunde sind eine große Stütze, die Stabilität bringen und Jugendliche durch verschiedenste Aktivitäten weg von der Sucht, hin zu einem lebendigen, bunten Leben begleiten können. 

Für Jugendliche, die diese Unterstützung nicht haben, gibt es Einrichtungen und Maßnahmen der Jugendwohlfahrt, wie Betreutes Wohnen..., die helfen, wieder in ein geregeltes Alltagsleben zurückzufinden.