Kind sagt nein

Was tun gegen Gewalttendenzen bei der Kindererziehung?

Emotional negativ geladene Situationen werden von Kindern immer als sehr heftig empfunden, ob psychisch oder körperliche Nötigung stattfindet, macht dabei keinen Unterschied.

„Aber man ist nicht zwangsläufig eine schlechte Mutter oder schlechter Vater, wenn man zu Gewalt neigt“, weiß Mag.a Ursula Blunder, Geschäftsführerin und Beraterin bei FamiliJa. „Der erste Schritt zur Besserung ist die Einsicht. Fehler sind menschlich und eine Chance, die zur Entwicklung beitragen kann.“ Beobachten ohne zu bewerten: Gibt es Vorboten bevor es zur emotionalen Explosion mit Auswirkungen kommt? Wie kann man ihr entgegenwirken? Manchmal kann es helfen, aus dem Raum zu gehen, tief durchzuatmen oder Ablenkung zu suchen, etwa im Telefonat mit einer Freundin. Dadurch ist es möglich, mit mehr Ruhe und Gelassenheit in die Situation zu gehen. 

„So können Konflikte viel ruhiger gelöst werden und auch die Kinder werden ruhiger“, erklärt die Expertin. 

Ein weiterer, wichtiger Ansatz ist, die schönen Situationen, die man mit den Kindern erlebt, zu intensivieren: Das Kind immer wieder zu loben und zu ermuntern etwas Neues auszuprobieren, viel Geduld beim Lernen aufzubringen oder Spaß beim Spielen zu haben. „Wichtig ist, die positiven Erlebnisse mit den Kindern zu vermehren. Auch so kann man heftige Auseinandersetzungen vermindern.“

In der Pubertät haben manche Eltern das Gefühl, überhaupt nicht mehr an ihr Kind heran zu kommen und nehmen primär die Probleme mit ihrem Nachwuchs wahr. „Da ist es sehr förderlich, zu versuchen, die Tochter oder den Sohn mit anderen Augen zu sehen: Sich ihre Talente bewusst zu machen und ihre positiven Eigenschaften.“

War der emotionale Ausbruch doch wieder einmal zu heftig, sollte man sich bei den Kindern entschuldigen. Ihnen sagen, dass dieses Verhalten nicht in Ordnung war, und es Mami oder Papi sehr leid tut. 

„Das ist ein langer Prozess. Aber nur wer dranbleibt, kann sich verändern“, weiß die Beraterin. Da solche Veränderungen nicht leicht sind und oft nur mit Unterstützung von außen funktionieren, stehen die Familienberatungsstellen in ganz Österreich allen hilfesuchenden Eltern kostenfrei zur Verfügung.