Puppe

Verdacht auf sexuellen Missbrauch bei Kindern und Jugendlichen in deren Umfeld

Für sexuellen Missbrauch gibt es kein „typisches Misshandlungssyndrom“. Mögliche Auswirkungen sind von unterschiedlichen Faktoren abhängig. Dazu zählen das Entwicklungsalter (Kleinkind, Schulkind, Jugendliche), die Form und Schwere der Misshandlung, das Näheverhältnis zum Täter und der Bewältigungsprozess (Ressourcen, soziale Unterstützung, familiäres System). Das Expertenteam des Kinderschutzzentrums in Linz meint: „Daher ist bei so einem Verdacht ein sehr sensibler Umgang nötig. Es darf nicht von einem Symptom oder einer Verhaltensveränderung des Kindes oder Jugendlichen kausal auf einen sexuellen Missbrauch geschlossen werden“. Dennoch sind verdächtige Äußerungen eines Kindes oder Jugendlichen, somatische, psychosomatische und psychische Auffälligkeiten oder Verhaltensveränderungen ernst zu nehmen und bedürfen einer sorgfältigen Abklärung durch Spezialisten. Folgende Indizien könnten eventuelle Hinweise sein: auffälliges Umgehen mit seiner Sexualität in Sprache oder Bewegung, Zeichnungen mit sexualisierten Szenen, überängstliches Verhalten, will zu einem bestimmen Ort partout nicht gehen. „In solchen Fällen ist ein behutsames Nachfragen wichtig, das Kind aber auf keinen Fall bedrängen. Es kann lange dauern, bis es sich traut etwas zu sagen“, so die BeraterInnen. Oft findet in den Opfern eine innere Verwirrung statt, denn sexualisierte Gewalt geschieht meist in einem Abhängigkeitsverhältnis. Der Erwachsene nutzt seine Vertrauensbeziehung, Macht- und Autoritätsposition wie auch die Unwissenheit des Kindes, um seinen sexuellen Bedürfnissen nachzugehen bzw. diese zu befriedigen. Das kann durch Ködern mit Geschenken oder auch mit Androhung schlimmer Konsequenzen geschehen.

Sexueller Missbrauch umfasst jede Handlung eines Erwachsenen, verbunden mit der Absicht, Kinder oder Jugendliche für die eigene sexuelle Erregung zu benutzen. „Meistens hat das betroffene Kind, nicht nur aufgrund seiner Abhängigkeit vom Erwachsenen, sondern auch aufgrund seiner körperlichen, emotionalen, geistigen oder sprachlichen Unterlegenheit kaum Möglichkeiten, sich hinreichend zur Wehr zu setzen oder sich zu verweigern“, erklärt das BeraterInnenteam. Bei folgenden Handlungen kann von sexuellem Missbrauch gesprochen werden: Belästigung wie anzügliche Blicke, Begrabschen, Kindern Geschichten mit sexuellem Inhalt zu erzählen, sexuelle Nötigung, Zwang zu bzw. Einbindung in geschlechtliche Handlungen, Vergewaltigung, Vorführen von pornographischem Material, usw.

Keine Person, keine Institution kann sexuellen Missbrauch und Misshandlung alleine abklären, beenden und die Folgen tragen. Daher wird jeder Person, die auf unterschiedliche Art und Weise mit diesem Thema in Berührung kommt, geraten, auf vorhandene Unterstützungsangebote zurückzugreifen. Die Familienberatungsstellen stehen auch in diesen Fällen kostenfrei und anonym zur Verfügung.

Abschließend kann festgehalten werden, dass Kinder und Jugendliche, die sexuelle Gewalt erlebt haben, ein erwachsenes Gegenüber brauchen, das Präsenz zeigt, geduldig zuhört und weiß, dass Scham, Schuldgefühle, Ängste und viele andere Gründe das Reden über das Erlebte schwer machen können. Betroffene Kinder und Jugendliche müssen in ihren Äußerungen, Emotionen und Befürchtungen ernst genommen werden. Primäres Anliegen muss sein, den notwendigen Schutz für diese Kinder und Jugendlichen schnellstmöglich herzustellen und Gewalt nicht zu tabuisieren, dabei ist ein achtsames und transparentes Vorgehen unabdinglich.