Vater mit Kind telefoniert und kocht

Väter berichten: „Auch wir sind doppelbelastet!“

Wenn von Doppelbelastung in der Elternschaft die Rede ist, sind in den Medien noch immer primär Mütter im Spannungsverhältnis zwischen Familien- und Berufsleben gemeint. Allerdings fühlen sich Väter in ihren Rollen als Ernährer, Familienvater, Partner und Liebhaber ebenfalls vielfach überbeansprucht.

Konrad Liebletsberger ist psychoanalytisch-pädagogischer Erziehungsberater, Sonder- und Heilpädagoge und Kinderbeistand vor Gericht. Er ist als Berater in der Mikado Beratungsstelle in Oberösterreich tätig. Liebletsberger erzählt von traditionelleren Familienstrukturen im ländlichen Raum: „Dort ist der Mann, der sich weniger um die Familie kümmert und sich primär in seiner Rolle als Ernährer sieht, stärker vertreten. Einerseits bedeutet der Fokus auf den Beruf oft weniger Belastung, andererseits fehlt dadurch vielen Vätern ein aktives Familienleben und die Teilhabe an der Entwicklung der Kinder.“ Beobachtet werden kann, dass Buben  oft ein männliches Vorbild, mit dem sie sich identifizieren können, fehlt. Auffällig ist aber auch, dass Mädchen in der Pubertät viel stärker unter Selbstwertproblemen leiden, wenn sie keine nahstehende Vaterfigur haben. Der Experte weiß, dass es besonders die Generation der heute 30- bis 45-jährigen Väter ist, die insgesamt mehr Verantwortung übernehmen und nicht nur für das nötige Einkommen sorgen, sondern auch viel Zeit mit der Familie verbringen möchte. „Das kann sehr viel Druck erzeugen – auch durch die immer noch sehr tiefe Verankerung der traditionellen männlichen Rollenbilder, in denen Erfolg und Leistung eine wesentliche Rolle spielen“, so Liebletsberger.

„Viele Männer, aber auch Frauen, haben das Bild vor Augen, dass der Mann stets der Fels in der Brandung sein sollte. Schwäche gibt es nicht und darf auch nicht sein.“ Umso schwieriger ist es, wenn für Männer die Belastung zu groß wird. Viele Männer tun sich schwer, es sich selbst, geschweige denn ihrer Familie, einzugestehen. „Sich Hilfe zu holen ist für viele Väter unmännlich und oft erst die letzte Option. Daher kämen viele erst zu einem Zeitpunkt zur Beratung, zu dem Väter schon längst tief im Burnout stecken.

Wichtig sei für diese Männer, dass sie sich Auszeiten nehmen, den Druck verringern und mehr auf sich selbst achten. Es bräuchte oft Hilfe von außen, um die Perspektive wieder zurechtzurücken: „Ich muss und kann es nicht immer allen recht machen.“ Auch die Partnerin und die Familie können hier helfen, indem sie ein Klima schaffen, in dem auch der Mann schwach sein darf.

Generell gilt: Vorsorge ist besser als Nachsorge und Betroffene sollten besser früher als später eine der österreichischen Familienberatungsstellen aufsuchen und sich in einem kostenfreien Gespräch aussprechen. Alle überbelasteten Väter und solche, die es nicht werden wollen, sind herzlich willkommen.