Frau schaut traurig aus Flugzeugfenster

Urlaubsblues – der Alltag hat uns wieder

Gegen Urlaubsende ist man oft mit einem unangenehmen Nachgeschmack konfrontiert: Dem Gefühl, dass die Zeit viel zu rasch vergangen ist und einen der Alltag nur allzu schnell wieder einholen wird – der Urlaubsblues.

Doch woher kommt er? Generell tritt der Urlaubsblues eher nach längeren Urlauben in entfernte Länder und Kulturen auf – berufstätige Erwachsene unterliegen öfter dem Phänomen als zum Beispiel Kinder, die sich freuen ihre Freunde wieder zu sehen. „Im Urlaub erlebt man sich selbst anders.“, erklärt Franziska Mair, Ehe-, Partner- und Familienberaterin und Theologin. Das alltägliche Leben ist meist sehr straff durchgeplant und mit zahlreichen Aktivitäten vollgepackt: Früh aufstehen, Kinder in die Schule bringen, arbeiten, Kinder am Abend abholen, Abendessen kochen, Hausaufgaben und Freizeitaktivitäten – dann ist die Energie schnell verbraucht. All das fällt im Urlaub weg. Man tut, wonach einem der Sinn steht und muss sich an keinen Zeitplan halten.

„Nach zwei bis drei Wochen entspanntem Urlaub kann die Rückkehr in den Alltag schon ein krasser Schock sein.“, so Franziska Mair. Sie rät daher, Pufferzeit einzuplanen: „Am ersten Tag nach dem Urlaub wieder in die Arbeit und in die Schule zu hetzen ist keine gute Idee. Besser ist es, wenn man gleich im Vornhinein ein paar Tage einplant, die nach dem Urlaub noch zu Hause verbracht werden. Einfach um anzukommen und sich zu Hause wieder einzuleben.“ Nicht zuletzt sind größere Reisen auch mit Jet-lag und anderen körperlichen Auswirkungen, zum Beispiel durch ein anderes Klima, verbunden. „Oft rate ich auch, an den Urlaub zurückzudenken und sich zu überlegen, was man sich davon in den Alltag mitnehmen könnte.“, so Mair. Oft werden Vorsätze, die im Urlaub gefasst werden, schon nach kurzer Zeit wieder vergessen. Diese Dinge ernst zu nehmen und etwas zu verändern, kann die Lebensqualität und damit auch die Freude am Alltag steigern. Sei es eine Stunde am Tag, die man für sich selbst nutzt, ein regelmäßiger Sparziergang oder Sport.

„Eine gute Möglichkeit ist es außerdem, den Urlaub gemeinsam zu verarbeiten und zurückzublicken.“, so Mair. Schöne Erinnerungen aufzuschreiben kann helfen, sich in die Situation im Urlaub hineinzuversetzen. Und auch nach längerer Zeit können lustige oder schöne Erlebnisse so wieder wachgerüttelt werden. Zum Beispiel Foto-Abende, wo Erlebnisse mit Freunden geteilt werden – so kann auch die Umgebung besser verstehen, was dort erlebt wurde und warum dem Urlaub vielleicht nachgetrauert wird.

„Wenn der Alltagsstress wegfällt, kann es sein, dass versteckte Konfliktfelder zum Vorschein gelangen. Um einen schönen Urlaub zu erleben, sollte im Vorhinein alles gut mit der Familie geplant und abgestimmt werden. Hier ist es wichtig, potentielle Konflikte schon vorab anzusprechen und zu klären. Denn schlummernde Unstimmigkeiten brechen sonst meist in genau diesen Situationen abseits des Alltagsgeschehens aus.“, so Mair. Damit sich jeder aus dem Urlaub das herausholen kann, was er im Alltagsleben nicht hat und die Familie positiv gestimmt zurückkehren kann. Mair: „Gleichzeitig ist es aber auch wichtig, sich von vornherein bewusst zu machen, dass die Zeit begrenzt ist und dafür jeden Tag in vollen Zügen zu genießen.“ Mit dieser Einstellung schafft man es auch erholt, mit frischer Energie und zufrieden ins Alltagsleben zurückzukommen. Nach dem Motto: Frische Energie durch Urlaub als Kraftquelle statt dem Urlaub nachtrauen.