Familie sitzt auf Steg

Urlaub als Patchworkfamilie

Urlaub in gemischten Familienverhältnissen? Dafür gibt es keinen Leitfaden – aber Tipps, von denen alle profitieren.

Urlaub als Patchworkfamilie gestaltet sich individuell und ist von den Charakteren der einzelnen Familienmitglieder abhängig. „Am Wichtigsten ist für alle Familien eine gute Vorbereitung. Damit steht und fällt der Ausgang des Urlaubes.“, erklärt Alexandra Bachmair-Arracher, Klinische Psychologin, Elternbildnerin, Trennungs- und Scheidungsberaterin in der Familienberatungsstelle Engerwitzdorf der Familienakademie Mühlviertel. Dabei soll jedes Familienmitglied im Vorfeld die gleiche Möglichkeit haben, seine Bedürfnisse und Wünsche in Bezug auf den Urlaub zu äußern. Bachmair-Arracher rät gleichzeitig von einem zu dicht gedrängten Programm ab: „Am Besten jeder wünscht sich eine Kleinigkeit. Für den einen kann das ein Strandbesuch sein, für den anderen einmal Pizza essen zu gehen. Ein Riesenprogramm kann oft Stress und Konfliktpotential bedeuten. “

Urlaub ist nicht Alltag und nicht selten möchte der Elternteil, der weniger Zeit mit den Kindern verbringt, im Urlaub etwas ganz Besonderes bieten. Dass hier eine Konkurrenzsituation zum Ex-Partner entstehen kann, ist dabei vielen nicht bewusst.

Vor allem aber gilt: Der Urlaub soll nicht aufgezwungen sein. Haben die Kinder auch die Möglichkeit „Nein“ zu sagen? Gerade in frischen Trennungssituationen können sie mit solchen Situationen überfordert sein. Hier ist Feingefühl der Eltern gefragt, um zu beurteilen was das Beste für das Kind ist. Statt gleich mit der ganzen „neuen“ Familie etwas zu unternehmen kann es eine gute Lösung sein, zum Beispiel vorerst einmal Urlaub mit dem Papa alleine zu machen. „In ungeklärten Situationen können Kinder sonst in einen starken Loyalitätskonflikt geraten, das tut nicht gut.“

Hilfreich kann es auch sein, den ersten Patchwork-Urlaub nicht gleich fernab der Heimat zu verbringen, sondern zum Beispiel das Zusammensein über ein Wochenende in einer netten Pension auszuprobieren. So ist man im Notfall auch schnell wieder zu Hause.

„Optimaler Weise ist der Urlaub so geplant, dass Aktivitäten auch in Kleingruppen möglich sind. Beide Partner haben dadurch die Möglichkeit, mit ihren leiblichen Kindern Zeit zu verbringen oder die Kinder unternehmen gesondert etwas und die Partner haben Zeit für einander.“, rät Alexandra Bachmair-Arracher. Mobilität, Flexibilität und ausreichend Raum sind Faktoren, die einen harmonischen Urlaub fördern.

Dass die Rollen als biologische Eltern und Stiefeltern im Urlaub zusammenkommen, bewirkt zwangsweise konfliktreiche Situationen. „Meine Kinder machen das, deine Kinder sollen sich auch daran halten.“, gibt es dann oft zu hören. Vor allem wenn Kinder dabei sind, für die einer der Partner nur Besuchsrecht hat können sich hier Streitthemen entwickeln. Bachmair-Arracher empfiehlt in solchen Konstellationen, Regeln vorab zu definieren: „Die Partner sollten sich einig darüber sein, inwiefern gegenseitig in die Erziehung eingegriffen werden darf. Die Kinder lernen schnell und wissen gleichzeitig sehr genau, welche Regeln bei Mama und welche bei Papa gelten. Diese müssen auch im Urlaub eingehalten werden.“

Der erste Urlaub in einer neuen Familiensituation ist meist mit Angst besetzt – sowohl für Eltern als auch für Kinder. Kinder sind unsicher, Eltern wissen nicht, ob sie alleine damit zurechtkommen oder machen sich als „zuhause-Gebliebener“ Sorgen, ob alles in Ordnung ist. Hilfreich ist es, im Vorhinein zu vereinbaren, wie oft und wann man von einander hören wird.

Urlaub kann also auch in komplizierteren Familienverhältnissen Spaß machen – es bedarf nur rechtzeitiger Koordination und gegenseitigem Verständnis.

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