Umgang mit xenophoben Menschen

Umgang mit xenophoben Menschen

Die Flüchtlingsthematik ruft aktuell Menschen auf den Plan, die sich öffentlich, lautstark und oft sogar aggressiv gegen Menschen mit Migrationshintergrund äußern und ihrer Xenophobie freien Lauf lassen. Wenn man selbst anderer Meinung ist und vielleicht sogar ein Familienmitglied mit Migrationshintergrund hat, ist man in einer Konfrontation schnell überfordert. 

Gabriele Rechberger, Familienberaterin und Geschäftsführerin des Vereins Viele in Salzburg hat in ihrer Beratungsstelle häufig mit Vorurteilen jeglicher Art zu tun. In der Beratungsstelle selbst haben 90 Prozent der Mitarbeiter/innen Migrationshintergrund. Sie hat nicht nur mit Vorbehalten von Österreicher/innen gegenüber Ausländer/innen zu tun. Die Xenophobie untereinander sei mindestens genauso hoch: Flüchtlinge, die schon länger hier sind gegenüber Neuangekommenen und die unterschiedlichen Ethnien untereinander.

Die Expertin hat daher einige Strategien, mit denen sie haltlosen Pauschalaussagen kontert. „Grundsätzlich muss man es jemandem auch zugestehen, dass er oder sie keine Ausländer/innen mag. Das ist ok. Es muss nicht jeder jeden mögen – das ist hier so und auch anderswo.“ Wenn Rechberger mit ausländerfeindlichen Personen zusammentrifft, versucht sie die Vorurteile zu hinterfragen. Etwa so: „Glauben Sie, dass das wirklich immer so ist oder könnten Ausnahmen möglich sein?“ Es sei auch entscheidend, die Leute in ihrer Angst und ihren Vorbehalten ernst zu nehmen und nicht sofort alles abzuschmettern. „Es ist legitim, dass man Angst vor den vielen Migrant/innen hat. Ein netter Gruß oder ein freundliches Lächeln machen es beiden Seiten leichter, ins Gespräch zu kommen. In kleinen Schritten aufeinander zugehen ist eine gute Möglichkeit um sich von Angst und Vorurteilen zu befreien.“ In einer Diskussion mit unterschiedlicher Meinung könne man auch mit Beispielen zum Umdenken anregen. „Wenn die Leute so allgemein von Flüchtlingen als SozialschmarotzerInnen reden, dann rede ich halt über das österreichische Gegenstück dazu. Die jeder kennt und dann ist das Thema schnell weg von den Migrant/innen“, erzählt die Beraterin.  

Leider werde oft sehr kurzfristig gedacht: „Die Leute denken nicht dran, dass wir zwar jetzt eine gewisse Grundversorgung leisten, dass aber in einigen Jahren wieder ins System zurückbezahlt wird!“ Auch mit diesem Argument könne man punkten. Andererseits sei es aber auch verkehrt „Alles ist gut“ zu sagen. Man muss Wut und Unsicherheit auch zugestehen können – auf der anderen Seite aber auch klar machen, dass Lösungsansätze gefordert sind, an denen alle mitarbeiten. Besondere Erfolge hat Rechberger, wenn es zu Begegnungen kommt. So habe sich ein Handwerker - vor dem sich so manch anderer wegen seiner wilden Erscheinung fürchtet - kürzlich geweigert, die Hilfe von  Freiwilligen anzunehmen. Er wolle mit den „Schokos“ nichts zu tun haben. Nachdem ihn Rechberger darauf aufmerksam gemacht hatte, dass er selbst für viele andere auch ein „Kultur-Schock“ sei, hat er eingelenkt und nach kurzer Zeit habe sich der Mann mit den jugendlichen Helfern aus Somalia sehr gut verstanden. In der Arbeitspause wurde sogar gelacht, geredet und gemeinsam Zigaretten gewuzelt … 

Wer sich schwer tut, zu Menschen mit Migrationshintergrund Zugang zu finden oder auch mit xenophoben Menschen Probleme hat, wendet sich am besten an eine der zahlreichen österreichischen Familienberatungsstellen mit diesem Themenschwerpunkt.