Sparschwein

Umgang mit Geld in der Familie

Früher wollten alle schuldenfrei sein – heute ist es für viele Menschen wichtig, kreditwürdig zu sein. „Vor allem im Weihnachtsgeschäft locken viele Unternehmen mit vermeintlich günstigen Ratenzahlungsangeboten oder Krediten. Wird auf 36 Raten gekauft, so sind diese zu den nächsten Weihnachten noch lange nicht abbezahlt. Wird nächsten Jahr wieder auf Raten gekauft, so erhöht sich die finanzielle Belastung weiter“, weiß Mag. Ferdinand Herndler von der www.schuldner-hilfe.at.

Ist das Haushaltsbudget sehr knapp kalkuliert, wirken sich Einkommensverringerungen massiver aus, wie zum Beispiel beim Übertritt in die Pension, beim Wegfall von Überstunden oder bei Arbeitslosigkeit. Auf einmal sind die Ausgaben höher als die Einnahmen. Viele wollen ihren Status halten und verschulden sich lieber, als auf das neueste Auto, Computer, Handy oder teure Reisen zu verzichten. Herndler: „Man will vor den anderen gut dastehen. Das ist leider auch oft eine Frage des Selbstwerts. Defizite werden hier häufig über teure Konsumgüter kompensiert.“

Familien kompensieren hohen Darstellungsdruck von außen nicht selten über Ausgaben für ihre Kinder bis hin zur Verschuldung. Dabei kann Kostenbewusstsein nicht früh genug gelernt werden. Wenn Eltern ihren Kindern vorleben, dass Schulden machen in Ordnung ist, übernehmen Kinder dieses Verhalten häufig auch in ihrem Erwachsenenleben. „Kinder haben ganz andere Werte als Erwachsene. Sie wollen Aufmerksamkeit, gemeinsame Zeit und Aktivitäten. Ob die Eltern mit ihnen im Wald eine Schnitzeljagd gestalten oder in einen teuren Erlebnispark fahren ist dem Nachwuchs einerlei. Was zählt, ist der Spaßfaktor und das Zusammensein“, so Herndler. Wenn schon früh in der Erziehung Verbraucherbildung stattfindet, werden aus Kindern verantwortungsbewusste Konsumenten.

„Der beste Weg um nicht in die Schuldenfalle zu geraten, ist ein guter Überblick über die Einnahmen und Ausgaben um bei Veränderung schnell reagieren zu können“, so der Experte.

Fixkosten sind meist schwer zu reduzieren; bei variablen Kosten geht das leichter. Sich vor dem Einkauf zu fragen, ob die neue Tasche wirklich notwendig ist, ermöglicht bewusstere Kaufentscheidungen. Um teure Spontankäufe zu vermeiden, sollte man eine Nacht darüber schlafen. Freiwilliger Konsumverzicht ist eben weniger einschneidend als erzwungener (z.B. eine Gehaltsexekution). Daher sollte man bereits im Vorfeld bewusst Schwerpunkte setzen und entscheiden, worauf  – in Abstimmung mit dem Partner – leicht verzichtet werden kann. 

Wichtig ist, Wohlbefinden ohne monetäre Belastung anzustreben. „Glück kommt nicht alleine von Geld. Freunde zu treffen, Musik zu hören, zu meditieren oder andere Aktivitäten können Quellen der Zufriedenheit sein.“ 

Wer Hilfe zur besseren Planung seiner Finanzen braucht, kann sich an die Familienberatungsstellen in ganz Österreich wenden.