Mutter, mit Gepäck, und Tochter verabschieden sich winkend vom Vater.

Trennung auf Zeit: Wie sagen wir´s den Kindern?

Zuhause dominiert der Dauerstreit und es fliegen nur mehr Fetzen. Ein unerträglicher Zustand, oft hervorgerufen durch einen konkreten Vorfall, über den das Paar nicht so leicht hinwegkommt. Wenn dann auch noch Kinder da sind, wird die Situation auch für sie unerträglich. Vor allem, wenn eine endgültige Trennung vorerst von beiden unerwünscht ist, gibt es einen anderen Weg, der von Fall zu Fall hilfreich sein kann: Die Trennung auf Zeit. Gedanken sammeln, Ruhe einkehren lassen, erproben was es heißt, alleine zu sein. Doch was sagt man in einem solchen Fall den Kindern? Wie erklärt man, dass ein Elternteil sich jetzt fürs Erste zuhause selten bis gar nicht blicken lässt?

Ursula Novak ist dipl. Ehe-, Familien- und Lebensberaterin im Beratungsdienst des Instituts für Ehe und Familie (IEF), Beraterin in freier Praxis, Rainbowsgruppenleiterin, Besuchsbegleiterin, Kinderbeistand, Step-Elterntrainerin und zertifizierte Familienrats-Koordinatorin. Die Expertin rät zu Ehrlichkeit: „Wichtig ist es in erster Linie, dass die Kinder immer über den Stand der Dinge zwischen den Eltern altersadäquat informiert sind. Schützen und schonen ist nicht immer gut. Das ist ein Vertrauensmissbrauch gegenüber den Kindern, weil sie nicht wissen, was mit den Eltern und der Familie passiert und in weiterer Folge mit ihnen. Das führt zu großer Unsicherheit.“

Auch wenn man nicht sicher ist, wie es weitergehen soll, sei es laut Frau Novak wichtig, offen zu sein. Aussagen wie: „Ihr wisst, wir streiten, und wir sind nicht sicher ...usw.“ oder „Ihr wisst, wir streiten, und es funktioniert nicht, darum gibt es eine räumliche Trennung“, können dabei hilfreich sein. Dabei müsse man aber nicht ins Detail gehen und Begründungen für Probleme nennen, sondern nur den Stand der Dinge klar und altersadäquat aussprechen: „Wir trennen uns als Paar und räumlich, aber als Eltern bleiben wir uns einig.“ Novak: „Wichtig ist, vor allem Jugendlichen zu sagen, dass es dadurch auch keine neuen Ausgehregelungen etc. gibt. Jugendliche nützen gerne solche Schlupflöcher und testen Grenzen aus, da die Eltern sehr mit sich selbst beschäftigt sind.“

Kinder lernen aus diesem offenen Umgang mit Konflikten, haben Klarheit über die Situation und können besser und selbstsicherer damit umgehen. Sie entwickeln keine Verlustängste und Schuldgefühle in Bezug auf die Trennung der Eltern. Und sie wissen, wie es mit ihnen weitergeht, und dass sie trotzdem weiterhin als Sohn/Tochter geliebt werden.

Kinder können übrigens Beratungen ebenso in Anspruch nehmen wie Eltern. Egal welchen Alters. Für besonders junge Klienten wird ein spielerisch-kreativer Zugang angeboten, z.B. eine Tierfamilie oder Autos. Hier tastet sich der Berater/die Beraterin sehr feinfühlig über die Fantasie zur Realität heran, um festzustellen, wie es dem Kind mit der Situation geht und individuell darauf einzugehen. Ihnen bietet Ursula Novak gerne die Wollknäuelgeschichte an: „Ein Wollknäuel hat jeder. Nun gibt es einen Faden vom Kind zur Mama und einen vom Kind zum Papa. Auch Mama und Papa verbindet ein Faden. Der Faden wird jetzt durchgeschnitten. Das ändert nur etwas zwischen Mama und Papa, nicht zwischen Mama und Kind oder Papa und Kind. Das Band zwischen dem Kind und der Mama und dem Kind und dem Papa hält solange bis der Tod sie scheidet.“ Das beruhigt die Kinder, trotz der Trennung beide Elternteile behalten zu können. Ältere Kinder können z.B. einen Beschwerdepostkasten nützen, um zu artikulieren, was sie spüren. Mit diesen Informationen gibt die Familienberaterin den Eltern gerne Werkzeuge mit, mit denen sie ihren Kindern/Jugendlichen die Situation altersgerecht erklären und auf individuelle Reaktionen gut eingehen können. Eltern werden im Umgang mit ihren Kindern sowie in der Situation der Trennung begleitet und betreut.