Mädchen auf Toilette zusammengebrochen, Bierflasche daneben

Süchtig nach …?

Enge Freundschaften, Gruppenzugehörigkeit und vor allem viel Spaß stehen im Alter zwischen 12 bis 20 Jahren im Vordergrund. Doch wie weit geht der Spaß? Wenn die Situation kippt und Spaß nur noch mit Suchtmitteln möglich ist, gibt es meist scheinbar keinen Ausweg mehr. Wie kommt es überhaupt so weit und was tun?

Wenn der Krankenwagen kommt …

… ist es fast schon zu spät. Dennoch – Abschreckung ist es keine mehr. Den Rausch ausschlafen und dann ist alles wieder in Ordnung. „Gründe für derartige Exzesse gibt es viele. Angefangen bei unserer Gesellschaft, über Werbung, der Wunsch Erwachsen zu sein bis zu Überforderung, all diese Faktoren können ihren Beitrag leisten.“, erzählt Hermann Larcher, systemischer Drogenberater beim Jugendzentrum Innsbruck aus seinem Alltag. Transportiert wird die Message „no risk – no fun“, man muss cool und wild sein. Wo früher Partys spätestens um 24:00 vorbei waren, wird heute die After-Hour angehängt. Dass der Körper da nicht mitmacht ist klar – meist wird mit aufputschenden Drogen nachgeholfen. „Cannabis zu rauchen wird als normal angesehen und viele bauen sogar selbst an.“, so Larcher.

Wer nicht mitmachen will oder sich Sorgen um Freunde macht, bekommt Hilfe bei Beratungsstellen. „Bei uns geht es vor allem darum, den Jugendlichen aufzuzeigen, was es für Alternativen gibt, was man anders machen kann, welche Perspektiven es geben kann und dass es wichtig ist gegenüber seinen Freunden Verantwortung zu übernehmen.“, so Larcher. Jugendzentren sind Anlaufstellen für Betroffene, Eltern, Schule, Freunde und Jugendliche mit gerichtlichen Auflagen.

Spaß ohne Drogen & Grenzerfahrungen

Grenzerfahrungen müssen nicht mit Suchtmitteln gemacht werden. In Tirol gibt es zum Beispiel Kletterausflüge mit den Jugendlichen. Dabei lernen sie Verantwortung zu übernehmen und sich auf jemanden zu verlassen. Larcher: „Gleichzeitig müssen Jugendliche erkennen, warum es sich auszahlt ihr Verhalten zu ändern.“ Jugendzentren bieten verschiedene Aktivitäten an damit Jugendliche sehen, dass man auch ohne Drogen, Alkohol, etc. Spaß haben kann. Zum Beispiel gibt es beim Jugendzentrum Innsbruck Rap-, Capoeira- oder Hip-Hop-Kurse und erlebnispädagogische Projekte über mehrere Tage „Walkabout“.

Verantwortung und Praktische Hilfe

Freundschaft bedeutet Verantwortung. „Wie würde es dir gehen, wenn ein guter Freund verunglückt und du weißt, dass du es verhindern hättest können?“, wird hier präventiv gefragt. Ein guter Freund sollte darauf achten, dass der Kollege nicht betrunken ins Auto steigt. Außerdem wird Hilfe für den Extremfall angeboten. „Hier liefern wir sowohl Infos zu rechtlichen Konsequenzen und sensibilisieren die Jugendlichen dahingehend nicht zu zögern, sofort einfache Techniken anzuwenden und unbedingt die Rettung zu rufen.“

Perspektiven

Probleme „wegzutrinken“ hilft nichts. Neue Perspektiven sind wichtig. Larcher: „Jugendarbeitslosigkeit ist hier ein zentrales Thema. Alkohol und Drogen werden oft als Ventil missbraucht.“

Warum?

Vor allem bei Alkohol schätzen Jugendliche die enthemmende Wirkung. Man wird selbstbewusster und traut sich mehr. „Wir sprechen darüber, warum Jugendliche zu Alkohol greifen und warum sie es lassen sollten.“, erzählt Larcher. Meist sind die Mädchen reifer und machen nicht überall mit.

Hilfe für Freunde

Oft kommen Freunde von Jugendlichen, die suchtgefährdet sind. Jugendzentren unterstützen sie darin, Grenzen aufzuzeigen und geben Tipps, wie sie handeln können.

Ziel ist es gewohnte Muster zu durchbrechen und zu erkennen, dass man auch ohne Suchtmittel Spaß haben kann. „Wichtig ist vor allem, wieder eine ,Erdung’ herzustellen und in scheinbar verfahrenen Situationen neue Perspektiven zu erarbeiten.“, beschreibt Larcher seine Arbeit.