Internetsexsucht

Süchtig nach Sex im Netz

Vier Prozent der Amerikaner und geschätzte ein bis drei Prozent der Europäer suchen sich den sexuellen Kick im Netz suchthaft. Sie haben die Kontrolle verloren, tun dies mit Zwang und brauchen ständig mehr. Mag. Johannes Wahala ist Psychotherapeut und Sexualtherapeut, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Sexualwissenschaften und Leiter der Beratungsstellen COURAGE Wien, Graz, Salzburg, Innsbruck und Linz. Er hat häufig mit Menschen zu tun, bei denen gesteigertes sexuelles Verlangen zur Sucht wurde und die einem enormen Leidensdruck ausgesetzt sind. „Betroffene können den ganzen Tag nur noch an ihr Verlangen denken, sobald sie es ausleben können, gibt es kein Ende. Irgendwann kommt es dann zur Phase der Toleranzentwicklung, die abgelöst wird von ständiger Reizsteigerung. Bald ist dann absoluter Kontrollverlust da.“ Der Berater führt ins Treffen, dass die Liberalisierung der Sexualität, die Entwicklung der gesellschaftlichen Toleranz und die Fülle von Möglichkeiten eben auch ihre Gefahren bergen. Für Sexsüchtige sei ihre Sucht Quelle großen Leids, massiver Selbstabwertung. Es können auch gravierende Partnerschaftsstörungen folgen bis hin zu gesundheitlicher, beruflicher und finanzieller Selbstzerstörung.
„Viele verbergen ihre Sucht, ihr soziales Leben wird schwächer und sie haben oftmals kaum noch Ansprechpartner. Ein Problem ist auch, dass dann die Internetsexsucht bzw. die Sexsucht oft mit anderen Süchten kombiniert wird – also beispielsweise mit Substanzsüchten.“ Der Teufelskreis beginne eben schon damit, dass Betroffene ihre Träume, Wünsche und Sehnsüchte in der realen physischen Welt nicht mehr besprechen und ausdrücken. Die Welt im Internet wird ein für sie adäquater Ersatz. „Man denkt, das sei dann emotional anders als in der Realität – aber das muss es für so jemanden nicht sein. Es kommen ja Scham, Schuldgefühle und ähnliches. Abgesehen davon können etwa Beziehungen, die im Netz geknüpft werden, gefühlsmäßig ebenso intensiv sein “, weiß Wahala.
Um aus einem solchen Suchtverhalten den Ausweg zu finden, bedarf es ähnlicher Mechanismen wie bei Substanzsüchten. Der Experten-Begriff „Rebooting“ beschreibt die Methode vorerster totaler Abstinenz mit anschließendem Erforschen der wahren Bedürfnisse. „Oft müssen die ehemals Süchtigen ihre eigene Sexualität völlig neu entdecken“, so der Berater.

Wer Sorge hat, sein Verhalten könnte zur Sucht werden, ist in einer der zahlreichen Österreichischen Beratungsstellen gut aufgehoben. Dort kann man ohne Scham und Ängste mit einem/r Berater/in über seine Probleme sprechen.