Sucht und Umfeld

Sucht und Umfeld – wie kann man Einfluss nehmen?

In vielen Fällen kann das soziale Umfeld dafür verantwortlich sein, dass Jugendliche in ein Suchtverhalten hineinrutschen. Einige Suchtmittel, wie etwa Alkohol oder Zigaretten sind legal und leicht zugänglich. Manchmal bleibt es nur beim Probieren und das gehört zum Erwachsenwerden dazu. Leider wird aus dem Probieren oft mehr, und Jugendliche werden auf einmal zu Rauchern oder betrinken sich jedes Wochenende. 

„In so einer Situation ist es am besten, Eltern reden mit ihrem Nachwuchs darüber: auf einer freundschaftlichen Ebene. Verhöre und Vorwürfe bewirken eher das Gegenteil. Je stabiler die Beziehung zu den Eltern ist, desto weniger suchtgefährdet ist das Kind“, sagt Mag. Gerald Hrdlicka vom Hilfswerk Mödling (http://www.hilfswerk.at). „Wenn Kinder wissen, dass sie ihren Eltern immer alles erzählen können, dann kann mit Vernunft und Aufklärung viel bewirkt werden.“ 

In einigen Fällen kann auch ein sehr guter Klassenzusammenhalt in der Schule dafür sorgen, dass Jugendliche nicht in eine Sucht abdriften. Raucht oder trinkt die Mehrheit der Klassengemeinschaft nicht, beeinflusst das auch das Verhalten des Sohnes oder der Tochter. 

Eine weitere Form der Sucht ist aber auch die soziale Sucht. Zu dieser zählen unter anderem das Handy und das Internet: Ständig online sein, bei Facebook posten, nachsehen was es Neues gibt. Chatten, telefonieren, Selfies verschicken. Onlinegames spielen. Alle machen es. Wer nicht mitreden kann, ist out. „Vieles davon nimmt schon exzessive Ausmaße an“, so Hrdlicka.

Besonders Kinder bzw. Jugendliche sind gefährdet, in eine Computerspiel- oder Fernsehsucht kippen. Es kommt nicht selten vor, dass sie acht bis zehn Stunden vor dem Computer sitzen und Rollenspiele spielen. Meistens beginnt es ganz harmlos. Man probiert ein Spiel aus, weil es alle spielen. Anfangs macht es oft auch noch Spaß. Doch wenn aus ein bis zwei Stunden ganze Nächte werden und die Schule und reale Freunde vernachlässigt werden, dann ist das nicht mehr lustig.

„Bei solchen Spielen ist der Druck der Gruppe oft sehr hoch. Man ist ja Teil einer Community und hat bei diesen Onlinegames plötzlich viele Freunde auf der ganzen Welt, erklärt Hrdlicka, „mit denen man sich dann zum Spielen verabreden muss.“

Ob substanz- oder tätigkeitsbezogene Abhängigkeiten – sich in Süchte zu flüchten bietet einen guten Rückzugsort. Es können Spannungen abgebaut werden. „Viele Faktoren können zu einer Begünstigung von Süchten führen“, so der Experte. „Ein Faktor ist die Zeit, hat man zu wenig Zeit, sich mit seinem Kind zu beschäftigen, dann ist der Fernseher oft ein verlässlicher Babysitter. Das kann ein Fernsehsuchtverhalten fördern.“

Die Frage nach dem Warum kann schon hilfreich sein. Die Möglichkeiten sind mannigfaltig, wie etwa Mobbing oder andere Probleme in der Schule, Schwierigkeiten mit den Eltern oder einem Elternteil. 

„Die Bindung zum Kind ist sehr wichtig. Vertrauen und Sicherheit aufbauen, ihm einen sichern Hafen bieten. Gibt es Probleme in der Familie, dann sollten Tatsachen altersgerecht erklärt werden. Dem Kind versichern, dass die momentane Situation nichts mit ihm zu tun hat“, rät Hrdlicka, „ oder soweit das möglich ist, das Kind aus der Situation rausnehmen, die der Auslöser für die Sucht ist“. 

Doch damit allein ist es nicht getan. Wichtig ist es, Alternativen zu bieten, um das Suchtverhalten zu verändern. Das können sportliche Aktivitäten sein, Spielabende mit der Familie oder Freunden, mehr direkte Kommunikation. Strikte Regeln, die begründet werden sollten, sind genauso hilfreich. Nicht etwas wegnehmen, sondern die Lücke füllen. 

Natürlich stehen Betroffenen und Angehörigen auch die zuständigen Beratungsstellen kostenlos zur Verfügung, um fachmännische Hilfe zu erhalten.