Paar hält Hände, abgewendet von einander

Die Sucht des Partners

Wenn der/die Partner/in an einer Suchterkrankung leidet, ist es für die Beziehung langfristig am Besten, auf sich selbst zu achten.

„Eine  Suchterkrankung bei einem Partner/in kann die gemeinsame Beziehung stark prägen. Auffällig sind die geschlechtsspezifischen Unterschiede dabei.“, erzählt Beate Tomas, DSA, Psychoterapeutin und stv. Geschäftsführerin vom Verein Dialog. Es kommt häufiger vor, dass Männer, die an einer Suchterkrankung leiden, in Beziehungen zu nicht substanz-
abhängigen Frauen stehen als umgekehrt. Frauen bleiben tendenziell eher beim substanzabhängigen Partner, und versuchen dabei  helfend und unterstützend zu wirken.

Die bestehende Suchtproblematik wird in der Beziehung oft von beiden  PartnerInnen verleugnet. Man hält an einer Idylle fest und fügt sich durch das Nicht-Ansprechen in ein System ein. „Obwohl es für die Veränderung wichtig ist, das Problem zu thematisieren, besteht gleichzeitig darin die Gefahr, dass es in der Beziehung schließlich nur noch um das eine Thema geht.“, erzählt Tomas. Oft wird jede Entscheidung von der Sucht des Partners abhängig gemacht – Urlaub, Besuche von Freunden, Unternehmungen, … Aus Scham, jemand könnte etwas bemerken, isoliert sich das Paar immer mehr.

Um dies zu vermeiden, helfen Beratungsstellen der Partnerin oder dem Partner aus der Situation heraustreten zu überlegen: „Was stelle ich mir vor in meinem Leben? Was sind meine Interessen? Welche sozialen Kontakte habe ich und wie kann ich diese pflegen?“ „Es kann leicht passieren, dass eigene Wünsche und Bedürfnisse durch die Fokusierung auf die Suchterkrankung des Partners so in den Hintergrund treten, dass diese manchmal gar nicht mehr bewusst sind. Wichtig ist es, das PartnerInnen in dieser schwierigen Situation (wieder) lernen, auf sich selbst gut zu achten und sich ein gesundes Maß an Abgrenzung anzu-
eignen.“ Diese Distanz muss nicht gleich zu einer Trennung führen erklärt sie: „Wichtig ist es, dass der/die Partner/in eine professionelle Behandlung in Anspruch nimmt.

Rückfälle sind keine Ausnahme. Wie zu Beginn wird oft abermals verleugnet, was offensichtlich ist. Tomas: „Leider sind psychische Erkrankungen in unserer Gesellschaft immer noch ein Tabu. Dadurch ist es schwierig, im Freundeskreis darüber zu sprechen.“ Um aus dieser Einsamkeit herauszubrechen, bieten Beratungs-
stellen auch Gruppen speziell für Angehörige an. Ziel ist es Betroffene zusammen zu bringen und Schuld- und Schamge-
fühle abzulegen. Schließlich muss immer noch derjenige, der die Sucht zu verantworten hat, auch wieder herausfinden – und auch das Zutrauen des Partners, dies zu schaffen, ist ein wichtiger Treiber.

Während einer Suchterkrankung sind die Rollen in Beziehungen ziemlich klar. Wenn eine Behandlung erfolgreich beendet wird, verändert sich manchmal auch die Beziehungsdynamik und die Partnerschaft muss neu definiert werden. „Es kann daher durchaus sinnvoll sein, auch eine Paarberatung/therapie in Anspruch zu nehmen.“, erzählt Tomas. Dabei wird besprochen was verbindet, was die Partner geben können, was sie alleine tun und wo sie sich treffen. Neue Themen in der Partnerschaft, das Leben der eigenen und gemeinsamen Interessen, neue und alte Konflikte, die Veränderung und Weiterentwicklung eines oder beider Partner können Inhalt dieser Gespräche sein.