Mann - nachdenklicher Blick

Erste Merkmale von Sucht

Menschen, die in eine Sucht schlittern, versuchen das meist vor der Familie geheim zu halten. Häufig gibt es jedoch deutliche erste Signale.

„Wenn Menschen an einer Sucht erkranken, ist für sie besonders wichtig, so lange wie möglich ein Bild von einem normalen Leben aufrecht zu erhalten. Sie bemühen sich in ihrer Umgebung Erklärungen und Entschuldigungen zu finden für die negativen Auswirkungen ihres süchtigen Verhaltens. Dahinter stehen allerdings oft massive Schuld- und Schamgefühle und Selbst-
vorwürfe.“, sagt Psychotherapeutin Hilde Brandtner, DSA, die auch die Suchtberatungsstelle b.a.s. in Graz und Umgebung leitet. Was können aber Partner/innen tun und wie können sie erkennen, dass sich der Suchtmittelkonsum in Richtung Ab-
hängigkeit entwickelt? Viele Suchtkranke haben ähnliche Muster: Sie beginnen, „späte Termine“ zu haben und kommen unge-
wöhnlich oft nächtens nach Hause. Ein typisches Merkmal ist auch das Vergessen von Terminen, das allgemeine Vernach-
lässigen gemeinsamer Aktionen wie etwa familiäre Anlässe. So könnte es sogar vorkommen, dass vergessen wird, das Kind vom Kindergarten abzuholen.

Oft ziehen sich Suchterkrankte auch räumlich zurück – etwa in den Keller oder in eine Werkstatt. Hilde Brandtner nennt das „in die eigene Welt entschwinden.“ Aber auch äußere Merkmale können helfen, Sucht zu erkennen, wie die tägliche Alkoholfahne.

Erkennt der oder die Partnerin diese ersten Anzeichen, wäre es schon ein guter Zeitpunkt, eine Beratungsstelle aufzusuchen. Brandtner: „Da das Thema Abhängigkeit auch für Angehörige schambesetzt ist, können Gespräche Entlastung und Information über die Dynamik von süchtigem Verhalten bieten. Es können auch konkrete Verhaltensschritte geplant werden, die nützlich sein können, das Muster des süchtigen Verhaltens zu unter-
brechen.“ So wird geraten, für’s erste die eigenen Beobach-
tungen möglichst neutral rückzumelden. Ohne anzuklagen oder zu beschuldigen. „Ich mache mir Sorgen, weil ich sehe …“ aber dann auch mit konkreten Vorschlägen „Ich hätte gerne, dass Du wieder …“ Oft wird die erste Reaktion eine ablehnende sein und der Suchtkranke wird alles abstreiten. „Dann muss man seine Ich-Botschaften immer wieder bringen. Am besten konkrete Dinge ansprechen und seine persönlichen Gefühle und Wünsche formulieren.“, rät Brandtner. Anschuldigungen oder Diskussionen über etwa Trinkmengen wären hier völlig fehl am Platz. Die Beratung kann dabei unterstützen, die Verstrickung von Angehörigen zu erkennen, Verantwortung für die Konsequenzen des süchtigen Verhaltens beim Partner zu belassen, etwas Distanz zur Suchtdynamik zu bekommen und die eigene Position wieder zu finden. Im Idealfall können diese Schritte der Angehörigen Verhaltensänderungen beim abhängigen Partner bewirken. Auch die Möglichkeit einer Trennung, z. B. bei Unveränderbarkeit der Situation oder bei massiven Auswirkungen auf die Gesundheit der Angehörigen, kann Thema in den Beratungsgesprächen sein. Oft ist gerade eine diesbezügliche Entscheidung auch das Motiv für Abhängige, Veränderungsschritte zu setzen.