Stalking

Stalking

Von Stalking spricht man, wenn eine Person über einen längeren Zeitraum von jemandem beharrlich verfolgt wird und zwar in einer Weise, die ihre Lebensführung unzumutbar beeinträchtigt. Das könne das wiederholte Schicken von Liebesbriefen, Blumen und Geschenken sowie unzählige Telefonanrufe, SMS und E-Mails sein. „Stalkende Personen lauern ihren Opfern auf, spionieren deren Tagesabläufe aus oder betreiben beispielweise über das Internet Rufschädigung“, schildert Mag.a. Adelheid Kröss, Klinische und Gesundheitspsychologin von der Beratungsstelle für Frauen der Wiener Frauenhäuser.

Die Motive für Stalking können sehr unterschiedlich sein. Stalkende Personen können durch Kontroll- und Dominanzansprüche, durch Rachegelüste, Eifersucht, erlittene Zurückweisungen, durch Kontaktwünsche oder vermeintliche Benachteiligungen motiviert sein. Hinweise auf ein späteres Stalkingverhalten, durch eine/n Beziehungspartner/in, können u.a. starkes Kontrollverhalten und Besitzdenken, sowie Eifersucht und Gewaltausübung während der Partnerschaft sein. „Bevorzugt gestalkt werden Frauen durch ihren Ex-Partner nach Trennungen oder Scheidungen“, so die Beraterin.

Das Ziel eines/r Stalkers/in ist es, vom Opfer wahrgenommen zu werden. Oft leiden stalkende Personen unter einer ausgeprägten Selbstwertproblematik. Sie neigen zu Realitätsverzerrungen und zeigen meist wenig Einsicht in ihr Fehlverhalten.
Stalking erzeugt bei den Opfern extreme Unruhe, Schreckhaftigkeit, Angst, Wut- und Ohnmachtsgefühle. Die Unsicherheit darüber was als nächstes passieren könnte, versetzt Betroffene in einen belastenden Dauerstress. Zu ihrem Eigenschutz ändern sie ihre Lebensgewohnheiten, wechseln mitunter ihren Wohnort und ihren Arbeitsplatz und verlieren dadurch viel von ihrer gewohnten Lebensqualität. Wird gegen das Stalking nichts unternommen, kann diese Art der Gewalt zu weitreichenden psychischen und psychosomatischen Folgebeschwerden führen.

„Wichtig ist, dass bei ersten Anzeichen von Stalking professionelle Hilfe in Anspruch genommen wird und das soziale Umfeld - Freund/innen, Familie, Verwandte und Arbeitskolleg/innen, Nachbar/innen – vom Geschehen informiert wird. Einerseits da die stalkende Person auch mit dem sozialen Umfeld des Opfers Kontakt aufnehmen könnte und andererseits tragen informierte Vertrauenspersonen zum erhöhten Schutz des Opfers bei“, so die Expertin.

Wenn der Verdacht auf Stalking bestehe, sollte der stalkenden Person einmal und eindeutig mitgeteilt werden, dass kein Kontakt gewünscht ist. Danach solle jegliche Art der Annäherung unterbunden bzw. nicht darauf reagiert werden, da JEDE Reaktion für den/die Stalker/in eine positive Verstärkung seines/ihres Verhalten darstellt. Weiter empfehle es sich, das Stalkingverhalten genau zu dokumentieren und alle Beweismittel zu sichern. So lassen sich Gesamtsituation und Verlauf besser einschätzen und es liegen Beweisunterlagen für eine mögliche Strafanzeige (u.a. § 107a StGB oder ein Betretungsverbot nach § 38a SPG) oder für zivilrechtliche Schutzmaßnahmen vor (u.a. §382G EO, §382b EO, §382e EO).
Zunehmend gestalkt werde auch über Internet und Soziale Netzwerke, auch hier gelte es alle digitalen Grenzüberschreitungen festzuhalten.
Bei akuter Bedrohung empfehle es sich den Polizeinotruf 133 oder 112 (Euronotruf) zu wählen.

Stalking verlangt nach rascher sozialer Unterstützung und nach vernetzter professioneller Hilfe. Betroffene Personen können sich an eine der Beratungsstellen wenden. Die Beraterinnen und Berater stehen Ihnen stärkend zur Seite, unterstützen bei Risikoeinschätzung und individueller Sicherheitsplanung bzw. vermitteln zu hierfür spezialisierten Stellen.