Casinosituation

„Wenn Spielen zum Problem wird, ist das Spielen das Problem.“

Mit Sucht werden meist unmittelbar Alkohol, Drogen oder Nikotin in Verbindung gebracht. Spiel- oder Kaufsucht sind jedoch auch weit verbreitet und kommen oft erst ans Tageslicht, wenn die Situation eskaliert.

Bei Spielsucht bestehen zu Beginn Einstiegsgewinne. Daran gewinnt man schnell Gefallen – Verluste werden bagatellisiert. „Doch spätestens dann, wenn Menschen versuchen, den entstandenen Verlust zurückzugewinnen, sollte man anfangen, sich über Suchtverhalten Gedanken zu machen.“, warnt Mag. (FH) Ferdinand Herndler, DSA, Sozialwissenschafter und Supervisor an der Schuldnerhilfe Linz. Spielsucht wird meist sehr gut verborgen. Um ausreichend Mittel zur Verfügung zu haben, kommt es nicht selten zu Beschaffungskriminalität. Dabei wird nicht nur das Konto überzogen, es werden Kredite unter falschem Vorwand aufgenkommen, Sparbücher der Partner geplündert, Schmuck verkauft oder Geld von Freunden geborgt. Die Folgen: Depressionen, Schlafstörungen und daraus resultierend die Einnahme entsprechender Medikamente, der Missbrauch von Alkohol und Nikotin. Denn Spielsüchtige versuchen permanent ein Doppelleben aufrecht zu erhalten. Oftmals wissen sie nicht, wem sie was erzählt haben. Und das Schlechte Gewissen, dass es um die Finanzen nicht gut steht, schwingt mit.  Für Partner, die von der Spielsucht erfahren, bricht meist eine Welt zusammen und das Vertrauen ist stark verletzt.

„Ich kaufe, also bin ich“,

ist der Grundsatz jener, die durch den Kaufakt in ein Hochgefühl verfallen. Dabei werden meist unnütze Dinge gekauft. Der Reiz besteht ausschließlich in der Kaufhandlung. Die Gegenstände selbst bleiben unausgepackt, oft entsteht im Nachhinein ein Gefühl der Reue. „Das Problem ist unter anderem auch, dass in unserer Gesellschaft Einkaufen als Freizeitbeschäftigung angesehen wird.“, warnt Herndler. Durch Kaufsucht wird meist ein Gefühl der inneren Leere und Frustration kompensiert.

„In der Beratung helfen wir Betroffenen, wieder Selbstständigkeit aufzubauen. Ziel ist es, alte Hobbys und Interessen zurückzu-
gewinnen und verstärkt wahrzunehmen.“, so Herndler. Oft liegt bereits ein sehr hoher Druck auf den Schultern dieser Menschen. Partner, Familien, Banken, Arbeitgeber – alle stellen Forderungen. Um zurück in die Normalität zu finden, braucht es kleine Schritte und individuelle Zieldefinition. An erster Stelle steht die Existenzsicherung. Dann wird an der Sucht selbst gearbeitet und erst im dritten Schritt kann die Schuldner-
beratung stattfinden. Auch das Umfeld wird betrachtet: Welche Freunde können wie unterstützen? Sinnvoll ist es zum Beispiel für die erste Zeit jemand Vertrautem die Geldeinteilung zu übergeben. Ziel ist es, sich am Ende selbstständig gegen die Sucht entscheiden zu können. Nicht immer müssen Beziehungen daran zu Bruch gehen. „So eine krisenbestimmte Situation zu meistern, kann die Bindung auch stärken. Dazu ist es aber notwendig, dass Verständnis entwickelt wird und Vertrauens-
bildung möglich ist.“, so Herndler.

Symptome …

… der Spielsucht sind: mangelndes Abstinenzverhalten „Ich kann nicht ohne“, Kontrollverlust „Ich spiele, bis ich kein Geld mehr habe“, permanente Dosissteigerung.

… der Kaufsucht sind: schlechtes Gewissen nach dem Einkauf, Verbergen der Gegenstände vor dem Partner/Freunden, ein Schrank voller Dinge, die man nicht verwendet, ein Hochgefühl während des Kaufens, ein Schlechtes Gewissen zu Hause, ein ständig überzogenes Haushaltsbudget.