Ein Mädchen und ein Junge zeigen einander die Zunge.

So helfen Eltern ihren Kindern bei Streit

Konflikte gehören zum Alltag von Erwachsenen und Kindern. Sie treten auf, wenn zwei Menschen unterschiedliche Bedürfnisse oder Meinungen haben, diese jedoch nicht erfüllt bzw. durchgesetzt werden können. Solche Auseinandersetzungen haben meistens Frustration, Trauer, Wut und Aggression zur Folge. Sie bieten aber auch Potential für Gemeinsamkeit und Entwicklung.

Kinder sind mit zunehmendem Alter immer mehr in der Lage, mit Auseinandersetzungen umzugehen und Konflikte selbst zu lösen. Durch die eigenständige Konfliktlösung lernen Kinder wichtige Verhaltensweisen (z.B. zuhören, die eigene Meinung vertreten, Kompromisse schließen, …). Autonomie und Selbstbewusstsein werden gestärkt. „Die Art und Weise, wie Kinder mit Konflikten umgehen, ist oft davon geprägt, wie Auseinandersetzungen in unserer eigenen (Ursprungs-)Familie gelöst wurden und wie wir Erwachsene selbst unsere Differenzen z.B. mit dem Partner/der Partnerin lösen“, weiß Mag. Julia Erlach, Bereichsleiterin der Familienberatung KOKO, Kontakt- und Kommunikationszentrum für Kinder, in Salzburg.

Bei jüngeren Kindern stellen körperliche Auseinandersetzungen (z.B. schlagen, beißen, Haare ziehen) die häufigsten Ausdrucksformen von Streit dar. Seltener wird gebrüllt, beschimpft und weggerannt. Mit zunehmendem Alter ändert sich das Konfliktverhalten der Kinder: Körperlich-aggressives Verhalten wird weniger. Ältere Kinder haben gelernt, Impulse zu kontrollieren und ihre Sprache zur Konfliktbewältigung einzusetzen. Vor allem ältere Mädchen tragen ihren Streit „verbal“ aus. Für ältere Kinder müssen häufig bestimmte Bedingungen erfüllt werden, damit sie sich wieder vertragen (z.B. Zustimmung des Anderen zur Streitbeendigung.) Die wichtigste Voraussetzung zur Versöhnung scheint für ältere Kinder jedoch, eine gemeinsame Lösung zu finden, die beiden entspricht.

Zur Rolle der Eltern sagt die Expertin: „Erwachsene sollen vor allem 'VermittlerInnen' sein. Abhängig vom Entwicklungsstand der Kinder kann wirksam sein: Ruhe zu bewahren, mit den Kindern auf Augenhöhe zu sprechen und zu beschreiben, was man gerade sieht, ohne Verurteilung, ohne Kritik, ohne Partei zu ergreifen, ohne Schuldzuweisung, ohne zu vergleichen. Die Kinder sollen ihre Sicht der Dinge zeigen. Das stärkt auch das Vertrauen zu den Erwachsenen. Anschließend werden die Aussagen der Kinder vom Erwachsenen wiederholt und zusammengefasst. Schließlich können die Kinder ihre Ideen zur Konfliktlösung einbringen. Wichtig ist, dass die gefundene Lösung für alle passt. Die Kinder haben damit den Streit selbst gelöst.“

Treten z.B. in der Familie häufiger Streitigkeiten zwischen Kindern auf, kann es sinnvoll sein, im „Familienrat“ zu überlegen, wo die Ursache für die ständigen Reibereien liegt. Diese ist in vielen Fällen auf ein erhöhtes Konfliktniveau zwischen den Eltern zurückzuführen.

Eltern/Erwachsene können Kindern beibringen, dass streiten grundsätzlich normal ist und wie Sprache zur Konfliktbewältigung eingesetzt werden kann. Sie sollten selbst ein gutes Vorbild sein und sich vor allem im Beisein der Kinder anderen gegenüber respektvoll verhalten.