Menschenmenge

Sind meine Kinder von Extremismus gefährdet?

Fühlen sich Jugendliche allein und unverstanden, dann werden sie durch radikale Gruppierungen beeinflussbar. Was macht es so spannend zu Sekten oder Extremismus jeglicher Art zu tendieren? „Der Wunsch nach Zugehörigkeit und Bestätigung kann ein Auslöser sein, sich zu diversen Gemeinschaften hingezogen zu fühlen“, erklärt Mag. Gabriele Bischof-Brünner, von Die Möwe, „Leider werden die Wünsche nach Zugehörigkeit, Ziel- und Sinngebung sowie Bestätigung gerade von radikalen Systemen erfüllt.“ 

Totalitäre Gruppierungen weisen bestimmte Dynamiken auf, die kontaktarmen, orientierungslosen  oder labilen Jugendliche besonders reizvoll erscheinen. Oft gibt es dominante Führungspersönlichkeiten, die die Richtung vorgeben, keine Kritik zulassen und zu Identifikationsfiguren werden. Eine Heiltheorie mit Absolutheitsanspruch – meist verspricht diese irgendeine Art von Erlösung und hebt das Elitebewusstsein. Sie vermittelt den Personen, dass sie anders sind, besonders – die Auserwählten. Das soziale Netz und die Tagesstruktur werden dann schnell an die Gemeinschaft angepasst, frühere Freunde dadurch vernachlässigt. 

Weitere Indizien sind meist ein Missionsauftrag, der erfüllt werden muss. Machtansprüche, die sich auch wirtschaftlich auswirken. Die Diskrepanz zwischen Innen- und Außensicht steht meist im krassen Widerspruch zum vermittelten Erscheinungsbild. Oft fühlen sich Sekten-Mitglieder unfair behandelt und von der Außenwelt bedroht, jede kritische Äußerung wird als Angriff gegen ihre Einstellung gewertet. 

„Meistens merkt man es an veränderten Gewohnheiten. Das kann andere Kleidung sein, neue Essgewohnheiten aber auch radikalere Meinungen“, weiß die Expertin, „Vielleicht hat der/die Jugendliche auch Geheimnisse und schottet sich ungewöhnlich häufig ab.“ Am besten ist es, mit seinem Nachwuchs darüber zu sprechen. Bischof-Brünner: „Wichtig ist, die Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft nicht gleich abzulehnen, dadurch fühlt sich die/der Jugendliche eventuell nur bestätigt, unverstanden  und blockt ab. Besser ist es herauszufinden, was dem Nachwuchs an der Gruppe gefällt und was ihm fehlt. Sie/er sollte auch motiviert werden, ihre/seine Freunde mit nach Hause zu nehmen. Wenn die Gruppierungen sehr radikal und gefährlich sind, kann überlegt werden, gesetzliche Schritte einzuleiten und den Umgang zu verbieten.“

„Den Jugendlichen die nötige Aufmerksamkeit zu schenken und aktiv an ihrem Leben teilzuhaben, auch ihre Freunde einzubeziehen und kennenzulernen, sind die besten Methoden, um seinen Nachwuchs von suspekten Gruppierungen fernzuhalten“ so die Psychologin. Ein sicherer Familienverband, Bestätigung und wertschätzende Kommunikation unterstützen sie dabei, zu selbstbewussten und verantwortungsvollen Erwachsenen heranzureifen, die auf radikale Verbände nicht angewiesen sind. 

Bei den zahlreichen österreichischen Familienberatungsstellen können sich Betroffene und Angehörige durch kostenlose Gespräche helfen lassen.