Sind Kinder in jedem Fall zu beschützen?

Sind Kinder in jedem Fall zu beschützen?

Das Leben mit Kindern und die Erziehung haben viele Facetten. Eine davon ist, Kinder aufzufangen, die Blödsinn gemacht haben. Das kann eine Kleinigkeit sein wie Raufen in der Schule, aber auch so etwas wie Diebstahl oder sogar Einbruch. Wie kann man als Erziehungsberechtigte/r mit solchen Fällen am besten umgehen?

Mag. Michael Thaler ist klinischer Psychologe und Gesundheitspsychologe und leitet die ifs Familienberatung: „Die Grundregel lautet:  Egal was passiert – das Kind soll das Gefühl haben, dass man immer für es da ist. Dass es immer Schutz findet. Das heißt aber nicht, dass man alles ausbadet, was angestellt wurde.“ Wichtig sei es, dass Kinder auch mit den Konsequenzen ihres Verhaltens konfrontiert werden und zu spüren bekommen, warum und was nicht richtig gelaufen ist. Die „Der Papa wird´s schon richten“-Mentalität führe nur dazu, dass die Kinder ihr Wertesystem verlieren, das ihnen von frühester Kindheit an beigebracht wurde. „Die Eltern müssen sich dessen natürlich bewusst sein, dass sich Konflikte in solchen Fällen nicht immer vermeiden lassen“, so Thaler. „Die Devise ist: Nicht belohnen für ein Fehlverhalten, aber auch nicht den Kopf abreißen.“ Die Reflexion über das Geschehene sei wichtig – das gemeinsame Aufarbeiten. „Dem Kind muss bewusst werden, wem es möglicherweise verletzt oder geschädigt hat. Die Eltern könnten in weiterer Folge auch vorschlagen, dass man dem- oder derjenigen als Wiedergutmachung etwas Gutes tut.“
Es soll auch geklärt werden, was unternommen werden muss, damit solche oder ähnliche Vorfälle in Zukunft vermieden werden können. Eine gemeinsame Strategie zu entwickeln sei dabei entscheidend.

Wenn Kinder allerdings von Dritten angeschwärzt werden, sei es laut dem Experten die Pflicht der Eltern, das Kind auf jeden Fall zu verteidigen und zu beschützen. „Vor allem wenn das Kind etwas anderes sagt – die Version des eigenen Kindes ist für die Eltern grundsätzlich immer die richtige“, so der Psychologe. „Vor anderen ist das Kind jedenfalls niemals im Unrecht.“ Sollte man im Nachhinein erfahren, dass gelogen wurde, sei es wichtig, auch das in Ruhe mit dem Kind zu klären. „Ich muss von dir die Wahrheit hören, sonst kann ich dich nicht mehr richtig beschützen. Dein Vertrauen brauche ich – das ist die Basis. Mal dir aus, was passieren könnte, wenn ich dich fälschlicherweise beschütze.“ Mit solchen und ähnlichen Sätzen könne man das Kind zu Offenheit und Ehrlichkeit motivieren.

Wer mit seinen Kindern häufig Probleme hat, kann dies gerne mit einem Berater oder einer Beraterin in einer der zahlreichen Familienberatungsstellen besprechen.