Frau neben Mann am Computer

Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz

Am häufigsten sind es junge Frauen, die in einem Machtgefälle oder Abhängigkeitsverhältnis zu ihrem Arbeitgeber stehen und die von sexuellen Übergriffigkeiten betroffen sein können. Karoline Kehrer ist Projektkoordinatorin von Act4Respect im Verein sprungbrett in Wien, wo es auch eine telefonische Anlaufstelle für Betroffene gibt: „Es geht uns bei unserer Arbeit vor allem um Sensibilisierung für dieses Thema und Stärkung der Betroffenen. Wir erörtern mit den jungen Frauen Möglichkeiten, mit der Situation umzugehen und sich Unterstützung zu holen.“ Viele seien sich im Unklaren darüber, was sexuelle Belästigung überhaupt ist. „Ein wesentliches Kriterium ist die Unerwünschtheit. Wo Belästigung beginnt, hängt also von der betroffenen Person ab“, erklärt Kehrer.

Das Bauchgefühl reiche also schon und man muss rechtlich gesehen gar nichts beweisen. „Das Hauptproblem, warum viele Betroffene oft eine lange Leidensgeschichte durchlaufen, sind Ängste. Ängste, den Job, die Lehrstelle zu verlieren oder auch, nicht ernst genommen zu werden.“ Schamgefühl könne ebenfalls ein Hindernis darstellen, drüber zu sprechen.

Jede Frau würde damit anders umgehen. Wesentlich sei allerdings bei der Arbeit der Beratungsstellen zu vermitteln, dass die betroffene Person auf sich selbst achten, die eigenen Grenzen wahrnehmen und erlebte Übergriffe sich nicht kleinreden lassen soll. „Es ist auch nicht die Aufgabe der Betroffenen, sich zu schützen – die Verantwortung liegt beim Täter!“ Im Idealfall wird jener also zur Rede gestellt. Diese Rolle könne auch eine Beobachterin/ein Beobachter oder eine Vertraute der sexuell Belästigten übernehmen. „Hier ist Zivilcourage gefragt – wenn Sie etwas beobachten, können Sie den Täter direkt ansprechen, der betroffenen Person Unterstützung anbieten oder den Übergriff an Vorgesetzte melden.“ Damit könne man enorm helfen.

Eltern von jungen Frauen rät die Expertin, für das Thema immer ein offenes Ohr zu haben, der Tochter auf jeden Fall zu glauben und das Erlebte keinesfalls zu verharmlosen. Falls Sie sexuell belästigt worden sind oder sich zu dem Thema informieren wollen, wenden Sie sich am besten kostenfrei und vertraulich an eine spezialisierte Beratungsstelle.

 

Die Telefonberatung von Act4Respect ist österreichweit unter der Nummer 0670 600 70 80 zu erreichen. Montag 11:00 – 14:00 Uhr, Donnerstag 16:00 – 19:00 Uhr.

Mehr Informationen erhalten Sie auf www.sprungbrett.or.at/allgemein/act4respect