Sexsucht – was ist das?

„Wenn man mehrmals am Tag sexuellen Aktivitäten nachgeht, spricht dies zwar für ein gesteigertes Sexualverhalten, von einer Sucht ist aber erst die Rede, wenn die betroffene Person ihr Verhalten nicht mehr kontrollieren kann“, so Mag. Johannes Wahala, Psycho- und Sexualtherapeut, Leiter der Beratungsstellen COURAGE sowie Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Sexualwissenschaften.

Dies sei erst dann der Fall, wenn die sexuellen Gelüste mit negativen Folgen verbunden sind. Durch das zwanghafte Auseinandersetzen mit den sexuellen Fantasien und Wünschen, können der Arbeitsalltag, die sozialen Kontakte und sogar fundamentale Grundbedürfnisse unter der Sucht leiden.
„Sexsucht kann alle Symptome einer stoffgebundenen Sucht entwickeln – wie Alkohol oder Drogen. Beginnend mit einem gesteigerten Interesse bis hin zu einer zwanghaften Auseinandersetzung mit sexuellen Themen geht es weiter zur Toleranzentwicklung sowie einer Dosissteigerung. Danach folgt der Kontrollverlust mit einhergehenden Entzugserscheinungen“, erklärt der Experte.  
Sexsüchtige leben in den meisten Fällen, sollte kein traumatisiertes Erlebnis hinter der Sucht stehen, von der Erregung und nicht von der Befriedigung. Sobald es zum Orgasmus komme, fallen Betroffene in das nächste Loch/Einsamkeit und der Zyklus beginnt von vorne.
Oft stecken frühkindliche Ursachen hinter einer Sexsucht. Wenn man in der Kindheit zum Beispiel nicht genügend Nähe bekommen habe, kann das später zu einem Vertrauensproblem in Beziehungen führen. „Dennoch haben Betroffene meist eine hohe Sehnsucht nach Beziehungen und suchen diese Nähe in der Sexualität, einer tiefen und intensiven Form von Begegnung“, so Wahala.
Oft gerate das eigene Leben auch durch einen Jobverlust, ein Beziehungsaus oder anderen Gründen ins Wanken. Die damit verbundene Trauer kompensieren manche mit Sexualität.

In Paarbeziehungen komme es laut Berater sehr selten zu einem sexsüchtigen Verhalten. Meist seien die unterschiedlichen Bedürfnisse der Partner/innen, Grund für ein gestörtes Sexualleben. Oft erlebe einer der Partner/innen auch die sexuellen Aktivitäten im Internet wie die Pornografie als virtuelles Fremdgehen des/der Partner/in und dies kann zu Störungen in der Beziehung führen.
In einer Paartherapie lerne man über unterschiedliche sexuelle Vorstellungen zu sprechen und seine Sexualität durch andere Möglichkeiten zu erweitern. Nicht jede sexuelle Begegnung müsse zum Orgasmus führen. Für viele seien auch andere Formen, wie Streicheln, Küssen oder Massieren angenehm und entlastend.

Wichtig ist dem Experten, dass Sexsucht nicht mehr verheimlicht und tabuisiert werde. Sexsucht ist eine Krankheit und brauche daher professionelle Hilfe und Begleitung. Wenn man merkt, dass man sein Verhalten nicht mehr kontrollieren kann, sollte eine Beratungsstelle aufgesucht werden.

Wenn Sie Hilfe bei Themen rund um Sexualität benötigen, stehen Ihnen die Sexualberatungsstellen in Österreich mit Rat und Tat zur Seite.