Mädchen und Bub (Teenager) sitzen auf Bank, schauen ratlos

Sex, weil es alle tun – wenn Jugendliche unter Gruppendruck stehen

Wer kennt es nicht, das Gefühl in einer Gruppe zu sein und dieser auch gerecht werden zu wollen? Die Gruppe nicht enttäuschen zu wollen? Seine Position in der Gruppe zu verteidigen.

Oft fühlen sich Jugendliche unter Druck gestellt, weil in ihrem Freundeskreis schon alle Sex hatten – nur man/frau selbst nicht. Auch Alkohol leistet hier oft seinen Beitrag, um die Hemmschwelle zu senken. Dann passiert es – und im Nachhinein kommt das schlechte Gefühl. Rudolf Roithmair von der Jugendberatungsstelle Bily, Linz rät diese Situation nicht zu eng zu nehmen: „Natürlich war es für einen selbst nicht die richtige Entscheidung, aber wenn das einmal passiert, ist es trotzdem keine Katastrophe. Aus so einer Situation lerne ich etwas und nehme es mit, um es in Zukunft anders zu machen. Nimmt man dieses ungute Gefühl jedoch über lange Zeit nicht ernst, so kann dieses Verhalten die eigene Seele verletzen und in manchen Fällen sogar zu sexuellen Störungen führen.“ Hinter prahlerischem Umgang mit sexueller Sprache steckt oft Unwissen. „Weißt du überhaupt, was das heißt?“, fragt Rudolf Roithmair dann und schnell ist alles entzaubert.

Die Bildung von Gruppen in unserer Gesellschaft ist generell nichts Schlechtes. Rudolf Roithmair meint: „Jugendliche lernen dadurch, mit ihrem sozialen Umfeld umzugehen. Sie lernen ihre Grenzen kennen – wie weit gehe ich mit, wo sage ich Nein?“ Gruppen stellen auch eine Messlatte für das eigene Selbstbewusstsein dar, das nicht nur durch das Elternhaus geprägt wird, sondern auch später noch gelernt werden kann. Die Gruppenzugehörigkeit drängt sich jedoch nicht auf: Jugendliche wachsen in Gruppen hinein und erfüllen dort ihre ganz spezifische Rolle. Und so kann jemand, der sich anders verhält in der einen Gruppe für seinen Mut bewundert und in einer anderen für seine Ansichten belächelt werden. Der Vorteil hier ist: Die Gruppen sind in der heutigen Zeit durchlässiger und schnelllebiger geworden. Jugendliche haben also die Möglichkeit, sie selbst zu sein und wenn sie sich nicht wohl fühlen, suchen sie sich einfach eine neue Gruppe. 

Oft ist jedoch nicht die Gruppe, sondern der eigene Partner für sexuellen Druck verantwortlich. Hier helfen offene Gespräche über die eigenen Gefühle. Meist ist das schon die Lösung des Problems und mit der Zeit ergibt sich Alles von Selber. Ist der Partner beharrlich und stellt dennoch Forderungen, muss man sich Fragen: Liebt er/sie mich wirklich? Warum geht er/sie nicht auf meine Gefühle ein?

Gerade in dieser Lebensphase eines Menschen spielt das Elternhaus und soziale Umfeld für den Jugendlichen eine ganz bedeutsame Rolle. Sie geben ihnen Selbstbewusstsein und Informationen. Sind Eltern oder Lehrer nicht bereit, Jugendliche über Sex zu informieren, so landen diese vor dem Internet und werden meist mit pornografischen Inhalten konfrontiert. Und genau dadurch kann Druck und Stress entstehen: So funktioniert Sex? Muss ich meiner Freundin/meinem Freund mit Handschellen, Lack und Leder gerecht werden? Dass die Pornografie ganz spezifische Fantasien widerspiegelt, können Jugendliche oft nicht herausfiltern. „In der Sexualität ist es wie in jedem anderen Bereich auch. Je mehr Information ich habe, umso selbstbewusster fühle ich mich. Sonst entsteht Unsicherheit.“, so Rudolf Roithmair.

Wichtig kann es für Jugendliche sein, sich in solchen Situationen Hilfe von außen zu holen. Viele Beratungsstellen haben sich genau darauf spezialisiert, Jugendliche zu dem Thema Sexualität zu beraten.