Zwei junge Burschen schauen gespannt in ein Tablet

Sex aus dem Netz – Kinder rechtzeitig aufklären

Pop-ups, e-Mails, das Handy eines älteren Freundes: Oft stoßen auch jüngere Kinder auf pornografische Inhalte, die sie verstören können.

Wenn Eltern an Pornografie in digitalen Medien denken, ist das häufig mit massiven Ängsten verbunden. Kinder könnten mit Dingen konfrontiert werden, die sie nicht verstehen, sie könnten irritiert und abgeschreckt sein. Mag. Elke Prochazka ist Klinische- und Gesundheitspsychologin, ist als Beraterin bei "Rat auf Draht" (ORF) tätig und arbeitet seit Jahren an Projekten im Zusammenhang mit Sexualität und digitalen Medien. Sie hat einen gänzlich anderen Zugang: „Sehen Sie das Internet als Chance! Ihre Kinder können sich völlig anonym Informationen holen. Und wenn Sie sie verständnisvoll begleiten, können auch mögliche unangenehme Gefühle vermieden werden.“ Wichtig sei, für Kinder schon von klein auf ein Ansprechpartner für alle Themen rund um Sexualität zu sein und Ihnen ehrlich zu erklären, worum es geht. „Normalität und Offenheit“ sind hier die Stichwörter.

Oft wird Kindern, auch wenn sie ungewollt auf Seiten mit Sex-Inhalten stoßen, ein generelles Internet-Verbot erteilt. Das ist laut Prochazka der falsche Weg: „Man macht Kindern am besten Mut, auf ihre eigenen Gefühle zu hören. Wenn sie Dinge sehen, die sie nicht verstehen, bietet man sich als Ansprechpartner an.“ Eltern würden oft sofort an das große Themenfeld Sexualität denken, bei den Kindern ist es aber oft nur eine altersadäquate Antwort auf eine Frage, die sie befriedigt und nicht eine ganze Abhandlung rund um Sexualität. Also etwa, dass sich Männer und Frauen ab einem gewissen Alter einfach gerne nackte Körper ansehen. 

Besonders wichtig sei laut Prochazka die Aufklärung Jugendlicher darüber, dass Pornofilme gemacht werden wie jeder andere Film – mit Drehbuch, Regisseur, Trickeffekten und Darstellern. „Kinder und Jugendliche entwickeln oft Ängste, das Dargestellte selber einmal machen zu müssen. Man muss Ihnen erklären, dass dem nicht so ist.“ Die Aufgabe der Eltern ist es aber auch, die Rahmenbedingungen offen anzusprechen. Kinder sollen wissen, dass Seiten mit pornografischen Inhalten in Österreich erst ab 16 Jahren zugelassen sind. Ab diesem Alter sollte laut Prochazka das Surfen auf solchen Sites aber auch zur Privatsphäre des Jugendlichen zählen. „Mit seiner Meinung dazu muss man ja trotzdem nicht hinterm Berg halten – aber ein Verbot löst nur noch mehr Reiz aus.“

„Wenn Sex zum Thema wird“ - Der zweite Elternratgeber von Rat auf Draht behandelt diese Thematik ausführlich und schildert Ihnen detailliert, wie Sie als Eltern sowohl mit Kindern als auch mit Jugendlichen über Pornografie sprechen können. 

Weiteres Informationsmaterial erhalten Sie auch auf der Website www.eltern-bildung.at

Wenn Sie weitere Fragen zu diesem Themenkreis haben, informieren Sie gerne die Berater und Beraterinnen in den österreichischen Familienberatungsstellen.