Hochschwangere, glücklich strahlende Frau an einem Felsenstrand, die älter als 45 zu sein scheint.

Schwanger mit über 45 Jahren

Frauen sind heutzutage mit weit über 40 Jahren in einem biologisch weitaus jüngeren Alter. Auch Lebensplanungen sind im 21. Jahrhundert oft spontaner und variabler. So ist es auch keine Seltenheit mehr, dass Frauen und Paare im fortgeschrittenen Alter noch einen Kinderwunsch haben oder sogar spontan ein Kind erwarten.

Erna Klug, Sozial- und Familienberaterin vom Netzwerk Familienkompetenz, weiß: „Hauptsächlich betrifft das Frauen mit hoher Schulbildung. In niedrigen sozialen Schichten kommt das kaum vor.“ Viele würden erst mit ihrer Karriere durchstarten und den Wunsch nach Kindern sozusagen verschleppen, bis es fast zu spät ist …

Die grundsätzliche Frage, die die Beraterin dabei stellt: Ist es nicht ein rein egoistischer, einseitiger Wunsch? Wird dabei ausreichend bedacht, dass es auch um eine dritte Person, nämlich um das Kind und seine Interessen geht?

Die Eltern sollten sich darüber im Klaren sein, was ihr Alter in der Außen- und auch Innenwirkung für das Kind bedeutet. In einer Beratungssituation würden dabei mehrere Punkte angesprochen werden. So sei etwa wichtig, dass sich die Eltern bewusst machen, dass möglicherweise weniger Energie für das Kind da ist – etwa bei nächtlichen Wachstunden. „Frauen kommen dann in der Kleinkindzeit in die Wechseljahre – das kann ebenfalls eine besondere Herausforderung darstellen.“ Ein wesentliches Thema ist auch die eigene Lebensplanung, wenn die Schwangerschaft ungeplant entstanden sein sollte. Ist ein Kind mit meinen Plänen vereinbar oder mache ich ihm insgeheim ein Leben lang Vorwürfe, weil es diese quasi durchkreuzt hat? Wenn bereits Kinder da sind, müssen auch sie mit ihren Wünschen und Erwartungen in die Überlegungen miteinbezogen werden.

Einen Vorteil sieht Klug in der späten Mutterschaft jedoch auch: „Eine ungewöhnlich späte Mutterschaft wird oft sehr bewusst erlebt und auch sehr gut vorbereitet. Dadurch wird meist auch verantwortungsvoll mit dem Thema Erziehung umgegangen.“

Das erhöhte Risiko von Erkrankungen müsse man allerdings auch im Hinterkopf haben und überlegen, ob man mit einem kranken Kinde leben könnte oder ob ein möglicher Schwangerschaftsabbruch (aus medizinischer Sicht erwogen) grundsätzlich für die Frau bzw. das Paar tabu ist und besprochen werden kann.

„Selbstverständlich muss jedes Paar diese Fragen für sich selbst und individuell lösen. Es gibt dafür keine Patentrezepte“, so Klug. In einer Familienberatungsstelle kann man sich dabei helfen lassen, die eigenen Gedanken zu ordnen und zu einer klaren und bewussten Entscheidung zu kommen, wobei es sinnvoll ist, den Partner miteinzubinden, um späteren diesbezüglichen Paarkonflikten vorzubeugen.