Schule fertig - was nun?

Schule fertig - was nun?

Wenn der Schulweg abgeschlossen ist, beginnt bei Jugendlichen oft eine lange Durststrecke. Bislang war das Ziel vorgegeben –und jetzt scheint alles offen. Was mache ich jetzt? Eine weitere Ausbildung, ein Studium oder sofort ins Berufsleben?

Mag. a Elke Prochazka, Klinische- und Gesundheitspsychologin, Lerntherapeutin, Buchautorin und Mitarbeiterin bei 147 Rat auf Draht bestätigt, dass junge Menschen oft völlig überfordert und orientierungslos sind, wenn es darum geht, sich für einen zukunftsweisenden nächsten Schritt zu entscheiden: „Der Job wird heutzutage überfrachtet mit enorm vielen Erwartungen. Er soll Spaß machen, man soll seine Berufung finden, man soll aber auch etwas Sinnvolles tun …“ Die Gesellschaft aber auch die sozialen Medien wie Facebook und Co transportieren laut der Expertin diverse Erwartungen, die diesen Druck noch weiter erhöhen. Wie so oft sind auch hier die Eltern gefragt, ihren Nachkommen so gut als möglich unterstützend zur Seite zu stehen. „Zu allererst ist es wichtig, sich von überholten Wertvorstellungen und Mustern zu lösen. Es gibt nicht den einen Weg – es gibt unzählig viele!“ Häufig würden Eltern ihre Kinder mit bestimmten eigenen Vorstellungen konfrontieren, ohne auf die Wünsche und Begabungen Ihrer Kinder zu achten und ohne überhaupt die vielen neuen Berufsmöglichkeiten genau zu kennen. Hier müsse man das Spektrum erweitern. Eine Möglichkeit sind Berufsinformationsmessen oder Tage der offenen Tür, die von diversen Unternehmen angeboten werden.
Wegweisend kann auch sein, schon früh mit Berufsschnuppern zu beginnen. Ferialjobs und Praktika während der Ausbildungszeit helfen, mögliche Jobprofile kennenzulernen, aber auch, Berufe auszuschließen, von denen man dann merkt, dass man sie keinesfalls ausüben möchte.

Wichtig sei auch, Begabungen herauszufinden, die über die klassischen Schulbegabungen wie Mathematik, Deutsch oder Biologie hinausgehen. „Beobachten Sie, bei welchen Tätigkeiten Ihr Kind gerne und lange bleibt“, rät Prochazka. Sind das etwa Computerspiele, so müsse man das nicht sofort in eine Schublade schieben, man könne darüber nachdenken, ob Spieleprogrammierer/in etwa das Richtige sein könnte. Ist Sport ein großes Interesse, wäre eine Ausbildung in Richtung Sportlehrer/in eine Idee. Am wichtigsten sei es, gute Rahmenbedingungen zu schaffen und Angst so weit als möglich zu nehmen. „Jeder Jugendliche braucht seine Unterstützung – das ist individuell sehr unterschiedlich.“ Im Falle eines Studienabbrechers/einer Studienabbrecherin könnte die Beratung seitens der Eltern dahingehend funktionieren, dass man gemeinsam versucht herauszufinden, woran das liegt. Viele seien von der Unstrukturiertheit einer Universität überfordert und könnten sich in einer Fachhochschule besser zurechtfinden. Laut Prochazka sollte es aber auch klare Rahmenbedingungen geben. „Um zu vermeiden, dass Ihr Kind wieder und wieder abbricht und probiert, könnte man etwa einen Zeitrahmen festlegen, innerhalb dessen es finanziell unterstützt wird und danach nicht mehr.“

Die Telefon-, Chat und Online Beratung Rat auf Draht (Tel. 147) bietet hier eine gute erste Anlaufstelle – aber auch alle weiteren österreichischen Familienberatungsstellen können Eltern und Jugendlichen weiterhelfen, wenn sie sich orientierungslos fühlen.