schwarz/weiß: Bub sitzt an beschmierter Mauer mit verschränkten Armen und eingezogenem Kopf am Boden

Schlägerei im Schulhof

Mobbing und Gewalt kommen häufig bei Kindern/Jugendlichen im Alter von 12 - 13 Jahren vor. Leider sprechen vor allem Burschen das Thema oft nicht an. Grund: Scham und Angst, die Situation könnte sich verschlimmern.

Kommt es zu Gewalt unter Schülern, rät Martin Oberthanner, Sozialarbeiter und Koordinator der Männerberatung in Innsbruck, keine Schnellschussaktionen zu starten: „Gleich als erste Reaktion in der Schule oder betreffende Eltern anzurufen ist selten zielführend. Bei diesem emotionalen Thema ist Hilfe von außen gefragt, um in Gespräche richtig einzusteigen.“ Auch wenn man im ersten Moment gleich aufspringen möchte, um etwas zu unternehmen, sollte das Thema nicht dramatisiert werden. Trotzdem ist viel Aufmerksamkeit und das Signal das Problem gemeinsam zu lösen wichtig, damit sich das Kind erstgenommen fühlt. Aussagen wie „sei doch nicht so wehleidig“ oder „ihr werdet das schon untereinander regeln“ sind fehl am Platz.

Die Motive für Gewalttaten können vielfältig sein: ein Schulwechsel oder die Integration in neue Gruppen können zum Problem werden. Gewalt kann aber auch ein Ausdruck von Machtverhältnissen sein und nicht selten steckt einfach nur Langeweile dahinter. „In diesem Fall fängt die Sache oft mit kleinen Sticheleien an und ist aber schon bald nicht mehr zu stoppen. Kinder bekommen große Angst.“, so Oberthanner.

In der Rolle der Opfer stecken meist die stilleren, ruhigeren, als weniger cool erachteten Kinder. Sie haben weniger Rückhalt und weniger Freunde. Oberthanner: „Wenn sich dann zusätzlich niemand für diese Kinder einsetzt und sogar Lehrer bei Vorfällen nichts unternehmen, entsteht bei den Opfern das Gefühl nichts Wert zu sein.“ Aus diesem Grund ist es besonders wichtig bereits in der Schule anzusetzen. Schulen sollten zu diesen Themen konkret Stellung beziehen, Gewalt ablehnen und diese Haltung konsequent durchsetzen. „Meist sind es genau diese Schulen, in denen Gewalt überhaupt kein Thema ist. Kommt es dennoch zu Vorfällen so wird meist von der Schule aus eine Beratungssituation für den Täter vorgeschlagen.“, so Oberthanner.

Die Täter sind sich bewusst, dass sie eine Grenze überschritten haben. „Täter sollten allerdings nicht beschämt werden, sonst stößt man auf Widerstand.“ Fragen wie: „Was steckt hinter dem Verhalten?“ und die Auseinandersetzung mit Lebensthemen sind gefragt. Oft fühlen sich Täter ohnmächtig bevor sie zuschlagen und kennen sogar beide Seiten – sowohl die Opfer- als auch die Täterrolle.

Die Schule gleich zu verlassen ist nicht immer der richtige Weg. Oberthanner: „Wenn sich die Schüler überhaupt nicht verstehen, dann ja – zuerst sollte jedoch mit Opfer und Täter in Beratungssituationen gearbeitet werden. Bei einem Schulwechsel und nicht ausreichender Konsequenz seitens der Schule, ist im Normalfall schnell ein neues Opfer gefunden.“ Und das Problem geht von vorne los.

In Beratungsstellen werden durch Gespräche mit Opfern und Tätern Motive hinterfragt und Verhalten analysiert. „Es findet ein offener, ehrlicher Austausch über den Umgang mit Gefühlen und Ängsten statt.“ Gerade heranwachsenden Burschen fehlen im Alltag oft männliche Vorbilder zur Orientierung. Scheidungssituationen und die sinkende Zahl an männlichen Lehrern sind Gründe dafür. „In der Männerberatung treten wir als Vorbilder auf und signalisieren, dass man nicht immer cool sein muss. Es ist okay Gefühle und Ängste auszudrücken und zu zeigen.“, erzählt Oberthanner aus dem Beratungsalltag.