Mutter nimmt weinende Tochter in den Arm

Richtig trauern?

Der Tod, der Verlust eines Menschen und die damit verbundene Trauer sind auch heute noch oft Tabuthemen in unserer Gesellschaft. Doch gerade Trauerarbeit und sich Zeit zu nehmen, um zu Trauern ist ein sehr wichtiger Prozess für die menschliche Seele.

Frau Monika Kornfehl, Vorsitzende von Zoe (Beratung rund um Schwangerschaft und Geburt): „Wenn Frauen ihr Baby während der Schwangerschaft verlieren ist das für viele ein großes Tabuthema. Oft fällt es den anderen Menschen schwer, dies zu verstehen, denn es gibt keine gemeinsame Erinnerung an das Kind.“ Wichtig ist es, hier den Betroffenen Hilfe anzubieten, jedoch auch ausreichend Zeit zum Trauern zu geben. „Es gibt bestimmte Rituale, die wir Frauen im Zuge unserer Beratung anbieten, die ihre ungeborenen Babys verloren haben: z.B. dem Kind einen Namen geben, Ultraschallfotos mitbringen, in die Trauergruppe gehen und einen Ort finden an dem man um das Kind trauern kann.“, so Kornfehl.

Der Verlust eines geborenen Kindes ist ebenso schmerzhaft – allerdings kann sich die Trauerarbeit hier anders gestalten. Die Familienmitglieder können gemeinsam trauern und loslassen. Die Gruppe kann gemeinsam Erinnerungen austauschen und, wenn gewünscht, beieinander Halt finden.

Kleinkinder haben zum Thema Sterben und Trauer einen gänzlich anderen Zugang als Erwachsene. Wie kann ich nun einem Kleinkind verständlich machen, dass jemand gestorben ist?

Renate Seebauer, Psychotherapeutin für integrative Kinder- und Jugendlichentherapie, der Familienberatungsstelle Zellkern: „Es kommt auf das Weltbild, also auf den kulturellen und spirituellen Hintergrund der Eltern, an. Es ist wichtig, dem Kind mit eigenen Bildern, eigener Sprache und Ausdrucksmöglichkeiten zu erklären worum es geht. Damit ist gemeint, dass z.B. eine Familie mit katholischem Glauben ein ganz anderes Bild vermittelt als Familien mit anderen Religionen. Oft hilft es den Kindern mit Bildersprache zu erklären, worum es geht: so etwa Anhand einer Blume, die welk wird und ihre Blüten verliert. In jedem Fall sind Rituale wichtig und hilfreich.

Ein weiterer Punkt ist, dass Kinder anders trauern als Erwachsene. „Sie sind in einem Moment traurig, im nächsten wieder lustig und fünf Minuten später vielleicht wieder traurig. Dies sollten Eltern akzeptieren. Kinder gehen anders um mit ihrer Trauer. Hier ist es kontraproduktiv ihnen Trauer zu verordnen, weil jemand gestorben ist.“, so Seebauer. Eine Möglichkeit ist es, das Thema Tod, Verlust und Trauer früh anzusprechen und nicht damit zu warten bis jemand stirbt.

Volksschulkinder und Teenager haben bereits einen anderen Zugang zu dieser Thematik. Sie können den Begriff „Verlust“ schon eher nachvollziehen. Hier können Eltern im Trauerfall dem Jugendlichen ihre Hilfe anbieten, jedoch sollten sie nicht darauf drängen. Jugendliche verarbeiten das Erlebte z.B. manchmal lieber mit Freunden – Eltern sollten dies akzeptieren.

Trauer ist eine Emotion und keine Schwäche. Sie ist nicht zu unterschätzen, denn durch nicht aufgearbeitete Trauer können Depressionen entstehen. Frauen und Männer gehen mit ihrer Trauerarbeit unterschiedlich um. Prinzipiell könnte man sagen, dass jeder Mensch individuell trauert. In Partnerschaften hilft oft eine Aussprache mit dem/der Partner/in oder wenn das Paar gemeinsam zu einem Beratungstermin geht.