verschwommene Weihnachtsbeleuchtung

Punsch & Co: Wenn Adventlaune zum Alkoholgenuss verführt

Wenn die ersten Punschstände ihre Fenster öffnen, die Weihnachtsbeleuchtung von den Häusern glitzert und herrliche Adventstimmung aufkommt, dauert es meist nicht mehr lange, bis man das erste wärmende Häferl in Händen hält. Oft drängt nicht einmal der ureigenste Gusto zu Grogg, Glühwein oder Punsch – FreundInnen oder KollegInnen sind hier häufige VerführerInnen. Und es bleibt dann nicht bei einem oder zwei dieser alkoholhältigen Getränke, da wird schon hin und wieder einer über den Durst getrunken …

„Man muss das Punschtrinken nicht primär problematisieren – in Maßen genossen ist das ja etwas Wunderbares! In unserer Kultur steht Alkohol für Genuss, für angenehme Momente im Leben, sogar für Sinnlichkeit. Diese Seite sollte man sehen.“ Diplomsozialarbeiterin Hilde Brandtner ist davon überzeugt, dass die Alkoholproblematik am Punschstand nicht im Vordergrund steht. Die Beraterin, Psychotherapeutin und stellvertretende Geschäftsführerin des steirischen Beratungszentrums für Suchtfragen b.a.s. betont jedoch auch die mögliche Kehrseite des Adventspaßes: „Wenn Faktoren wie eine persönliche Krise, eine ungünstige genetische Disposition beim Alkoholabbau oder eine unangenehme psychosoziale Situation hinzukommen, kann sogar das an sich harmlose Punschtrinken zur Gefahr werden. Dass in weiterer Folge Alkoholismus daraus entsteht, ist nicht auszuschließen.“

Oft sind es ja auch die KollegInnen, die nicht locker lassen können, wenn man einmal nicht so mithalten möchte. Eine fehlende ICH-Stärke kann dazu führen, nicht „nein“ sagen zu können. Hier gilt es laut Brandtner sich möglichst klar abzugrenzen und deutlich auszusprechen, dass man nicht mehr mag. Wenn das unangenehm ist, kann man immer noch eine Autofahrt anführen, die man noch vor sich hat.

Mittlerweile ist Alkoholismus ein Suchtverhalten, das unter mehreren Gesichtspunkten betrachtet wird. Die häufigsten Faktoren, die dazu führen sind persönliche Krisen. Aber auch die Lebensgeschichte, die Situation, in der man aufgewachsen ist – möglicherweise in einer Suchtfamilie – der Selbstwert aber auch Selbstmedikation bei Depressionen können der Auslöser sein.

Brandtner: „Wichtig ist es, sich möglichst früh mit Berater/innen in einer der Suchtberatungsstellen auszutauschen.“ Die Alarmglocken sollten vor allem dann läuten, wenn man ohne Alkohol nicht mehr auskommt, also die Kontrolle verliert, aber auch, wenn man merkt, dass man seine Dosis kontinuierlich steigert.

Auch Angehörige sind aufgefordert, auf den Alkoholkonsum zu achten und sich bei möglichen Problemen mit Sucht-Berater/innen in Verbindung zu treten.